Gerätewahl

Die Fliegenrute

Innerhalb der für das Fliegenfischen erforderlichen Geräte kommt der Fliegenrute eine der wichtigsten Aufgaben zu. Sie transportiert zum einen die Fliegenschnur und federt zum anderen die Fluchten eines gehakten Fisches im Drill ab. Sie soll dabei ein geringes Eigengewicht bei hoher Rückstellkraft (geringes Nachschwingen) besitzen und trotzdem zuverlässig Ihren Dienst verrichten.

Die vorgenannten Eigenschaften erfüllt der Werkstoff Kohlefaser am besten. Aus diesem Grunde werden heutzutage Fliegenruten fast ausschließlich aus Kohlefaser hergestellt. Ein Alternativer Werkstoff mit vergleichbar guten Eigenschaften ist bisher nicht in Sicht.

Kohlefaser wird in verschiedenen Moduln, d.h. Steifigkeiten hergestellt. Die wichtigsten sind:

  • HT – High Tensity / High Tenacity
  • IM – Intermediate Modulus
  • HM – High Modulus
  • UHM – (Ultra High Modulus)
  • HMS – hochsteif/hochfest

Die Rutenbauer bevorzugen Kohlefaser von höherer Steifigkeit (hoher E-Modul), weil sich damit schnelle Ruten mit hoher Rückstellkraft unter Verwendung von wenig Kohlefasermaterial herstellen lassen. Für den Fliegenwurf sind diese Eigenschaften oft von Vorteil. Jedoch verringert sich bei höher moduliertem Kohlefaser die Bruchdehnung und die Sprödigkeit nimmt gleichzeitig zu, was die Fliegenruten bruchanfälliger werden lässt. Die Rutenbauer versuchen diese Nachteile durch verbesserte Harzpräparate zu mindern (neueste Technologie ist ein mit „Nano“- Partikeln versetztes Harz, welches beispielsweise bei den Hardy Sintrix Ruten verwendet wird). Ein weiterer Nachteil von hoch moduliertem Kohlefaser ist die schnellere Materialermüdung, d.h. es verändert bereits bei einer geringeren Lastwechselzahl (vgl. Wöhlerlinie) seine Eigenschaften.

Nicht unerwähnt bleiben sollen die gespliessten (gespließten) Fliegenruten, welche in liebevoller Handarbeit aus zumeist chinesischem Bambus (Tonkin) hergestellt wurden und immer noch werden. Bis zu einer Länge von gut 2 Metern können sie mit den Kohlefaserruten in ihren physikalischen Eigenschaften recht gut mithalten. Sie erfordern mehr „Zuwendung“ und Pflege als Fliegenruten aus Kohlefaser, geben dem Fliegenfischer dafür aber ein ganz besonderes Wurf- und Drillerlebnis.

Empfehlung zur Fliegenrute:

Die meisten Situationen am Fischwasser werden von Fliegenruten mit einer tendenziell schnelleren Spitzenaktion abgedeckt. Bei Einhandfliegenruten aus Kohlefaser hat sich eine Länge von 9 Fuss (ca. 2,75 m) bewährt. Wer sich eine neue Fliegenrute zulegen will, der sollte eine Vorauswahl aus mehreren Rutentypen von ggf. unterschiedlichen Herstellern treffen und diese nach Möglichkeit zur Probe werfen. Wirklich gute Fliegenruten sind heute auch im mittleren und teilweise sogar im unteren Preissegment zu finden, so dass diese ebenfalls in Betracht gezogen werden sollten.

Gefallen mehrere Fliegeruten, würde ich zu derjenigen tendieren, die mit niedriger moduliertem Kohlefaser hergestellt wurde und am besten auch noch über eine dickere Wandung verfügt. Auch sollten beim Kauf die Garantiebestimmungen beachtet werden. Immer mehr Rutenhersteller verlangen für das Abwickeln („Handling“) eines Garantiefalles viel Geld.

Zwei Fliegenruten in der Klassen 5 und 8 reichen völlig aus, um die meisten Zielfische abzudecken. Wer auf Lachs fischen will, sollte sich eine Zweihandrute  (zwischen 13 und 15 Fuss) zulegen. Die Anschaffung weiterer Fliegenruten in anderen Klassen zieht unweigerlich zusätzliche Kosten nach sich, da dann auch passende Schnüre und neue Rollen benötigt werden.

Die Fliegenrolle

Die Bedeutung der Fliegenrolle ist eher gering. Daher ist es in den meisten Fällen ausreichen, eine günstiges Modell zu verwenden. Angeboten werden die Fliegenrollen in verschiedenen Spulenkerngrößen, wobei in non-, mid- oder large arbor unterschieden wird. Non arbor Fliegenrollen besitzen den kleinsten Spulenkerndurchmesser, large arbor den größten. Tendenziell sind größere Spulenkerndurchmesser von Vorteil, weil sie eine größere Schnurmenge pro Umdrehung einholen und sie die Fliegenschnur im aufgerollten Zustand weniger stark verformen, was ihr Kringeln erheblich reduziert.

Unter besonderen Bedingungen sollte allerdings der Bremse und dem Gewicht der Fliegenrolle mehr Beachtung geschenkt werden: wenn mit

  • längeren, wiederholten Fluchten des gehakten Fisches zu rechnen ist, sollten Fliegenrollen mit guter, verschließfester und fein zu justierender Bremse verwendet werden. Beim Fischen beispielsweise auf Bonefish sind solche Fliegenrollen ein Muss.
  • längeren und / oder schwereren Fliegenruten gefischt wird, sollten auch schwerere Fliegenrollen an diese Fliegenruten montiert werden. Sie bilden ein „Kontergewicht“ zur Fliegenrute und können das Werfen des Gerätes erleichtern.
Empfehlung zur Fliegenrolle:

Eine günstige mid arbor Fliegenrolle ist für die meisten Situationen am Fischwasser völlig ausreichend. Sie ist bezogen auf die Fliegenrute nicht zu groß, besitzen eine gute Einholgeschwindigkeit der Fliegenschnur und mindert effektiv deren Kringeln. Auf eine gute Bremseigenschaft der Fliegenrolle sollte außerdem geachtet werden, wenn mit Fischen zu rechnen ist, die regelmäßig im Drill Schnur nehmen (Lachs, Bonefish, Tarpon usw.).

Die Fliegenschnur / Wurfschnur

Fliegeschnüre gibt es in verschiedenen Formen, sogenannten Tapern. Die wichtigsten davon sind:

  • Double Taper (DT) = sich zu beiden Enden hin verjüngende Fliegenschnur
  • Weight Forward (WF) = das vordere Ende besitzt eine sich verjüngende Keulenform, gefolgt von einer Nachschnur (Running Line)
  • Shooting Taper (ST) = ähnlich einer Weight Forward Fliegenschnur, jedoch ist die Keule / der Schusskopf ausgeprägter und die Nachschnur dünner.  

Fliegenschnüre werden schwimmend und in unterschiedlichen Sinkraten hergestellt.

Fliegenschnüre müssen zur Fliegerute passen. In erster Linie passt eine Fliegenschnur zur Fliegenrute, wenn das Eigengewicht der Fliegenschnur einerseits groß genug ist, um die Fliegenrute effektiv zu laden und andererseits nicht zu groß ist, um die Fliegenrute zu überfordern / überladen.

Um diese Abstimmung zwischen Fliegenruten und Fliegenschnur zu normen hat die “American Fishing Tackle Manufacturing Association” (abgekürzt AFTMA) in den 1960er Jahren Fliegenschnüre in Klassen eingeordnet. Als maßgebend für die Klassifizierung der Fliegenschnüre wurde das Eigengewicht der ersten 9,14 Meter festgelegt (weil diese Länge damals in der Praxis wohl am häufigsten gefischt wurde !).

Allerdings kann man diese AFTMA Klassifizierung heutzutage nur noch als groben Richtwert nehmen. Moderne schnelle und steife Ruten werfen in aller Regel problemlos eine Schnurklasse höher als angegeben oder laden sogar erst bei höheren Schnurklassen die Fliegenrute effizient auf. Darüber hinaus wird die Klassifizierung nach AFTMA nicht mehr an die sich ändernden Bedingungen angepasst. Auch aus diesem Grunde hat die AFFTA die AFTMA Klassifizierung mittlerweile abgelöst, die bei der Bestimmung der Fliegenschnurklassen differenzierter vorgeht.

Empfehlung zur Fliegenschnur:

Für die meisten Situationen am Fischwasser sind WF- Schnüre am besten geeignet. Kommt es eher auf eine schnelle Präsentation bei geringerer Wurfweite an, sollten WF- Schnüre mit kurzer Keule (Short Belly, Rocket Taper) verwendet werden. Bei weiteren Würfen ist eine längere Keule (Long Belly, „XXD“) vorteilhaft. Die standard Fliegenschnur sollte schwimmend sein. Soll die Fliege mal tiefer angeboten werden, kann ein Sinktipp- Vorfach oder mein ‘Birnchen‘ am Ende der Fliegenschnur angebracht werden.

Der Schusskopf ist bei höheren Schnurklassen und beim Zweihandfischen oft die beste Wahl. Man benötigt nur eine Rolle mit Backing (Nachschnur) und der Running Line (Schußschnur). Das Ende der Runningline sollte eine so große Schlaufe haben,  dass die Rolle dadurch passt (dann kann der Wechsel des Schusskopfes auch über die Rolle erfolgen). Je nach Situation können die passenden Schussköpfe an die Running Line angeschlauft werden.

Das Vorfach

Die Bedeutung des Vorfachs kann nicht groß genug angesehen werden. Es muss sich gut strecken lassen können, möglichst unsichtbar sein und darf nicht reißen.

Mit Ausnahme von kurzen Vorfächern, die an schnell sinkende Fliegeschnur montiert werden, müssen sich Vorfächer zur Spitze hin verjüngen. Ohne eine abnehmenden Durchmesser zur Spitze hin verschlechtert sich ihr Streckverhalten drastisch.

Die Verjüngung kann erreicht werden, indem das Vorfachmaterial

  • geflochten,
  • konisch gezogen oder
  • geknotet wird.

Je nach Vorlieben des Fliegenfischers und den Situationen am Gewässer kann zwischen Vorfächern gewählt werden, die sich über ihre Länge schneller oder langsamer verjüngen. Tendenziell strecken sich kürzere und sich schneller verjüngende Vorfächer rasanter und schneller, längere hingegen bedächtiger und langsamer.

Empfehlung zum Vorfach

Zum Fischen am Forellenbach empfehle ich geknotete Vorfächer. Diese stelle ich mittlerweile selber her, indem ich Vorfachschnüre von unterschiedlichem Durchmesser mit einem Blutknoten (Bloodknot) verbinde. Dabei verwende ich für mein Standardvorfach folgende Durchmesser und Längen, weil sie sich für meine Ansprüche und meine Art zu werfen / fischen als am besten herausgestellt haben:

Stärke (mm) des VorfachabschnittsLänge (cm) des Vorfachabschnitts
0,50 oder 0,55110
0,4545
0,4025
0,3520
0,3015
0,25 oder 0,2815 (Pitzenbauer Ring)

An der Spitze dieses ca. 2,30 m langen Vorfachs befestige ich den “Pitzenbauer Ring”, an den eine Vorfachspitze in der Stärke zwischen 0,14mm und 0,22mm angeknotet wird. Die Länge der Vorfachspitze beträgt beim Trockenfliegenfischen ca. 50 cm, beim Nympfenfischen kann die Vorfachspitze wesentlich länger gewählt werden. Um die Nympfe tiefer anzubieten befestige ich häufig mein ‘Birnchen’ an den Pitzenbauer Ring.

Beim oberflächennahen Fischen auf Meerforelle und Lachs gebe ich konisch gezogenen Poly Leadern den Vorzug. Als Vorfach für tiefe an Sinkschnüren angebotene Fliegen reicht ein kürzeres Stück unverjüngte Nylonschnur.

Both comments and pings are currently closed.
Copy Protected by Chetan's WP-Copyprotect.