Fliegenwerfen

(english version)

Unterseiten: Perfektes Fliegenwerfen, Zweihand Fliegenwerfen, Einfluss des Drehimpulses

Der Fliegenwurf / Wurftechnik: der Wurf mit der Einhand Fliegenrute

“Der schlechte Werfer wird beim Fischen nie die Entspannung erfahren, die einem guten Werfer zuteil wird”

C. Ritz – Erlebtes Fliegenfischen

Sprungmarken

Grundlegendes: Schlaufenbild, Schnurgeschwindigkeit und Rutenladung, Geometrie und Dynamik des Fliegenwurfs, Wurfstile, Haltung der Fliegerute, Wurfmotorik
Werfen: Grundwurf / Basiswurf, Bewegungsabläufe, Der “Power Snap”, Kontrolle der Wurf- und Schnurhand, Sich zum Wurf stellen, Der Rückwurf und der Mittelpunkt
Wurffehler: Häufige Wurffehler, Die “feinen” Wurffehler
Fortgeschrittene Wurftechniken: Die Rutenspitze wirft die Schnur, Der Doppelzug, Die Rutenführung / Drift , Die Schulter- und Körperarbeit optimieren
Fliegendistanzwurf: Der weite Wurf mit der Fliegenrute, Wie ich Distanzfliegenwürfe sah
Wurfvarianten: Der Wurf mit schwerem Einhandgerät, Der Wurf mit dem Schusskopf
Spezialwürfe / Trickwürfe: Der Bogenwurf, Der Schlangenwurf, Rollwurf und Switch- Cast (D-Cast) / Unterhandwurf
Videos Fliegenwerfen:

Vorwort

Dem Wurf mit der Fliegenrute innerhalb des Spektrums der Fliegenfischerei gehört mein besonderes Interesse. Den Fliegenwurf zu erlernen und zu verbessern war und ist mir ein wichtiges Anliegen, weshalb ich mehrere Wurfkurse besuchte und nach wie vor zum Anregungen sammle. Die Quintessenzen meiner gesammelten Erfahrungen versuche ich in der folgenden Ausführung strukturiert wiederzugeben.

Ursprünglich sind die folgenden Ausführungen entstanden, um mir selbst die Dynamik des Fliegenwurfs näher zu bringen. Deshalb sei noch gesagt, dass meine Ausführungen

  • keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben,
  • nicht die Effektivität anderer Wurfformen und -stile in Abrede stellen und
  • Grundwissen über den Fliegenwurf voraussetzen

Grundlegendes

Schlaufenbild

Es ist unbestritten am effektivsten, wenn sich die Wurfschnur mit einer enge Schlaufe ausrollt. Nur die enge Schlaufe ist unempfindlich gegen Windeinfluss und

  • lässt zielgenaue Präsentationen der Fliege – auch auf größere Distanzen – zu
  • ist Voraussetzung für den Distanzwurf

Daher sollte jeder Fliegenwerfen bestrebt sein, eine enge Schlaufe werfen zu können. Nur wenn mit einer beschwerten Fliege gefischt wird kann es ausnahmsweise von Vorteil sein, die Schlaufe etwas zu öffnen.

Schnurgeschwindigkeit und Rutenladung

Die Rutenspitze überträgt einerseits eine Geschwindigkeit auf die Fliegenschnur und erzeugt andererseits eine Biegespannung (Moment) in der Rute. Die Biegung der Rute ist ein Maß für Ihre Ladung, mit der die Rute Energie aufnimmt. Das Transportieren der Wurfschnur erfordert ein Abbremsen (Stoppen) der Fliegenrute, wodurch sie in ihre Ausgangsposition zurückschnellt und die Fliegenschnur an der Rutenspitze vorbeizufliegen beginnt. Die Schlaufe bildet sich aus.

Qualität und Effizienz des Fliegenwurfs hängen eng mit der Rutenladung und -endladung zusammen. Es lässt sich sagen: je gleichmäßiger die Rute aufgeladen und je kontrollierter sie entladen wird, desto besser der Wurf.

Geometrie und Dynamik des Fliegenwurfes

Die wichtigsten geometrischen Parameter beim Fliegenwurf sind: Arbeitsweg, Arbeitswinkel und Wurfebene.

oben: Die geometrischen Definitonen beim Fliegenwurf

Der Arbeitsweg ist definiert als der Abstand der Rutenspitze und der Arbeitswinkel ist definiert als Winkel zwischen den Rutenachsen, wenn sich die Fliegenrute in der Anfangs- und Endstellung des Vorwärts- bzw. Rückwurfes befindet (Stoppositionen). Die Wurfebene ist definiert als die Fläche, auf der sich die Rute während des Wurfes bewegt.

Die Bedeutung für die Form der Schlaufe ist in Abhängigkeit von den benannten Parametern wie folgt:

  • Je kleiner der Arbeitswinkel, desto gerader der Arbeitsweg.
  • je größer der Arbeitsweg ist, desto gleichmäßiger wird die Geschwindigkeit der Fliegenschnur und die Ladung der Rute aufgebaut.
  • je größer der Abstand zwischen der Wurfebene des Vorwärts- und Rückwurfes wird (z.B. bei elliptischem Weg der Rutenspitze), desto größer ist die Schnurkontrolle; gleichzeitig verringert sich aber auch die mögliche Wurfweite, weil die Schlaufe mit zunehmenden Winkel zwischen den Ebenen größer wird.

Die wichtigsten dynamischen Parameter beim Fliegenwurf sind die Geschwindigkeit bzw. Beschleunigung der Rutespitze. Die Geschwindigkeit bzw. Beschleunigung der Rutenspitze müssen über den gesamten Arbeistweg gleichförmig zunehmen, so dass die Ladung der Rute und die Geschwindigkeit der Fliegenschnur bis zum Stop kontinuierlich gesteigert wird.

oben: Die dynamischen Definitionen beim Fliegenwurf

H.R. Hebeisen benutzt zur Veranschaulichung der Dynamik den Vergleich mit einem Rennauto (1).

Wurfstile

In der Literatur wird mittlerweile zwischen einigen Wurfstilen unterschieden. Es tauchen die Bezeichnungen englischer, amerikanischer, österreichischer und neuerdings auch skandinavischer Wurfstil auf. Im direkten Vergleich besitzen der englische und der von Hans Gebetsroither entwickelte österreichische Wurfstil mit die größten Gegensätze. Die wesentlichsten Unterschiede zwischen beiden Wurfstilen sind in der folgenden Tabelle aufgelistet:

Österreichischer Wurfstil Englischer Wurfstil
Wurfgeometrie Geneigte Wurfebene, die Rute wird an der Körperachse seitlich vorbeigeführt. Fast vertikale Wurfebene, die Rute wird vor der Körperachse bewegt.
Wurfschnurführung beim Rückwurf (seitliche Betrachtung) Die Wurfschnur geht unter der Rutenspitze durch. Schlaufe beschreibt eine eher horizontale Ebene. Die Wurfschnur geht über die Rutenspitze drüber (Überkopfwurf). Schlaufe beschreibt eine eher vertikale Ebene.
Wurfmotorik Schultergelenk wird in die Wurfbewegung mit einbezogen. Das Handgelenk wird nicht oder nur passiv eingesetzt. Rute wird über langen Arbeitsweg geladen. Schultergelenk wird wenig bzw. beim “klassischen” Stil nicht mit einbezogen (das berühmte Buch unter dem Oberarm). Das Handgelenk wird aktiv benutzt. Die Rute wird über kurzen Arbeitsweg geladen.
Wurfdynamik Langer Arbeitsweg der Rute, der Arbeitswinkel wird relativ früh geändert. Kurzer Arbeitsweg der Rute, der Arbeitswinkel wird sofort geändert.
Gerät Kurze und lange Ruten (6-9 Fuß). Das Gerät ist eher leicht. Längere Ruten ab 8 Fuß. Das Gerät ist eher schwer.

Wurfstile waren und sind Gegenstand leidenschaftlicher Diskussionen. Letztlich haben alle Wurfstile ihre Berechtigung und besitzen in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation am Fischwasser Vor- und Nachteile. Aus meiner Sicht ist der von H.R. Hebeisen optimierte Gebetstroither Wurfstil für die meisten Situationen am Fischwasser von Vorteil (Watfischen und Fischen vom wenig bewachsenen Ufer aus). Seine Optimierung besteht im Wesentlichen in der Verbesserung der Schlaufenphysik, indem die Schlaufen einerseits enger sind und andererseits die Schlaufe beim Rückwurf eine eher vertikale Ebene einnimmt.

In meinen folgenden Ausführungen werde ich vordergründig den von HRH optimierten “Österreichischen” Wurfstil beschreiben. Auf den Englische Wurfstil gehe ich an den Stellen ein, wo er Vorteile gegenüber dem Österreichischen Wurfstil besitzt. Es ist auch sicherlich von Vorteil, wenn der Fliegenfischer beide Wurfstiele beherrscht.

Haltung der Fliegenrute

Für das Standard- Forellengerät empfehle ich die Daumen-Zeigefingerhaltung. Daumen und Zeigefinger liegen oberhalb des Rutengriffs, zeigen in die Richtung der Rutenachse und berühren einander. Wenn der beim Vorwärtswurf aufgebrachte Druck den Daumen und den Zeigefinger auseinander drücken möchte, ist die Haltung richtig. Diese Rutenhaltung verbindet die Kraft und Ausdauer des Daumens mit der Zielgenauigkeit des Zeigefingers.

Wurfmotorik

Der Arm hat 3 Gelenke, die beim Wurf zu koordinieren sind. Das sind – aufgelistet nach Ihrer Bedeutung für den Wurf:

  • das Schultergelenk
  • das Ellenbogengelenk
  • das Handgelenk

Für den Fliegenwurf ist nur das Schulter- und Ellenbogengelenk von zentraler Bedeutung ! Ellenbogen- und das Schultergelenk sind die zentralen “Wurfgelenke”. Es gilt diese beiden Gelenke in ihrem Bewegungsablauf maßgeblich aufeinander abzustimmen.

Das Handgelenk besitzt die geringste Bedeutung. Der Grund dafür liegt in der großen Beweglichkeit und der Lage des Handgelenks. Es ist das Gelenk, welches den Arm unmittelbar an die Fliegenrute anschließt. Und die große Beweglichkeit ist für den Wurf eher von Nachteil, weil eine sehr kleine Bewegung des Handgelenks an der Rutenspitze eine um die Länge der Fliegenrute größeren Ausschlag verursacht, der Grund vieler Wurffehler sein kann. Aus diesem Grunde sollte es nicht aktiv eingesetzt werden, d.h. es sollte selbst keine Kraft in den Wurfablauf einbringen, sondern höchstens der Wurfbewegung folgen.

Werfen

Grundwurf / Basiswurf

Der Fliegenwurf – sowohl der Vorwärts-, als auch der Rückwurf – kann in zwei Phasen unterteilt werden (1):

  1. Die Anfangsphase des Wurfs dient der kontrollierten Vorbereitung auf den Wurf. Das erfolgt über etwa 1/3 des Arbeitsweges. Der Arbeitswinkel wird nur sehr geringfügig geändert, d.h. Spitze und Griff der Rute besitzen ungefähr die selbe Geschwindigkeit. Diese Bewegung wird auch Translation genannt. Mit dieser Bewegung nimmt die Rutenspitze Kontakt mit der gestreckten Fliegenschnur auf.
  2. Der eigentliche “Wurf” der Schnur erfolgt etwa im letzten 2/3 des Arbeitsweges. Der Arbeitswinkel wird geändert, d.h. die Spitze besitzt nun eine wesentlich höhere Geschwindigkeit als der Griff der Rute. Die Geschwindigkeit der Rutenspitze und die Ladung wird dadurch weiter gesteigert. Diese Bewegung wird auch Rotation genannt. Am Ende des Wurfes wird die Bewegung schlagartig gestoppt, die Rute entlädt sich.

Während dieser beiden Phasen ist folgendes zu beachten:

  • die Rutenspitze muss sowohl beim Rück-, als auch beim Vorwärtswurf – von der Seite und von oben aus betrachtet – annähernd eine Gerade beschreiben. D.h. die Wurfebene ist “eben”.
  • Der Wurf endet mit einem deutlichen Stopp. bis zum Stopp nimmt die Geschwindigkeit gleichförmig zu.
  • Vorwärts- und Rückwurf werden erst eingeleitet, wenn sich die Wurfschnur vollständig in der Luft gestreckt hat. Das wird “Timing” genannt. Bis dahin ist die Rute in der Stopp – Position zu belassen bzw. weiter in die Wurfrichtung zu führen (driften).

Der annähernd gerade Weg der Rutenspitze stellt sicher, dass die Wurfenergie auf ein punktuelles Ziel gerichtet wird und sich deshalb die Wurfschnur in einer enger Schlaufe in Richtung dieses Ziels ausrollt. Bei einer kreisförmigen Bewegung der Rutenspitze (sogenannter “Scheibenwischer”) ist die Wurfenergie nicht zielgerichtet sondern verendet im Aufspannen eines großen Wurfschnurbogens.

Die Rute kann sich beim Rückwurf auf einer anderen, zur Körperachse mehr abgewinkelten Wurfeben als beim Vorwärtswurf bewegen. Der Übergang zwischen den Wurfebenen erfolgt während der Stoppausen. Alternativ können die unterschiedlichen Wurfebenen auch ohne Übergang ineinander überführt werden, indem die Rutenspitze – von oben betrachtet – eine schmale Ellipse beschreiben. Die Rute bewegt sich dann auf einer leicht “gekrümmten” Wurfebene.

Beim Stopp erhält die Fliegenschnur eine zusätzliche Geschwindigkeit aus der Rückstellung (Entladung) der Rutenspitze, wodurch die Form und Richtung der Schlaufe am stärksten beeinflusst wird. Die Schnur wird sich in die Richtung ausrollen, in welche die Rutenspitze am Ende des Wurfes beschleunigt und gestoppt wird. Auch aus diesem Grunde soll sich auch die Rutenspitze möglichst auf einer Geraden bewegen. Bei einer kreisförmigen Bewegung am Ende des Wurfes beschleunigt die Rutenspitze in der Wurfphase (also am Ende der Gesamtbewegung) abwärts – und die Wurfschnur folgt dieser Abwärtsbewegung mit einer großen Schlaufe. Schließlich ist die gleichförmige Beschleunigung der Rutenspitze noch wesentlich für ein wellenfreie, die Wurfenergie optimal umsetzende Ausrollbewegung der Wurfschnur.

Das “Timing” ist Voraussetzung für das Aufladen der Rute; denn für die Aufladung der Rute ist wesentlich, dass die Wurfschnur an der Rute zieht. Das kann die Wurfschur aber nur dann, wenn sie sowohl beim Beginn des Vorwärts-, als auch Rückwurf vollständig gestreckt ist. Wird der Wurf zu spät angesetzt, sinkt die Wurfschnur zu Boden, was u.a. Hänger verursacht. Wird der Wurf zu früh angesetzt, trägt der größte Teil des Arbeitsweges nichts zur Aufladung der Rute bei, weil er für das Strecken der Wurfschnurschlaufe verbraucht wird (im Extremfall kann ein “Peitschenknall” entstehen).

Bewegungsabläufe

Die Bewegungsabläufe des Wurfarmes richten sich nach den beschriebenen wurfgeometrischen und wurfdynamischen Anforderungen (1):

  1. Am Anfang des Rückwurfs wird die Rute durch ihre gleichförmig zunehmende Geschwindigkeit zunehmend aufgeladen. Gleichzeitig bewegt sich der Ellenbogen nach unten, damit die Rutenspitze am Anfang nicht zu hoch kommt.
  2. Ab etwa der Mitte des Arbeitsweges wird bei weiter zunehmender Geschwindigkeit der Rute der Ellenbogen etwas nach oben geführt (durch den nach oben gerichteten Weg des Ellenbogens bleibt die Rutenspitze am Ende des Rückwurfs auf der Geraden). Wenn sich die Rutenachse kurz hinter der Vertikalen befindet (in etwa in der 1 Uhr-Stellung), wird die Bewegung beendet (Stopp).

Der Vorwärtswurf erfolgt spiegelbildlich zum Rückwurf. Der Ellenbogen beschreibt – im Gegensatz zum Rückwurf – eine leicht nach unten gerichtete Gerade. Der Vorwärtswurf wird mit etwas weniger Druck als der Rückwurf ausgeführt. Wird die Wurfbewegung wie beschrieben ausgeführt, ergibt sich das folgende Schlaufenbild der Wurfschnur:

  • Beim Rückwurf geht die Wurfschnur unter der Rutenspitze durch (und steigt hinten an !); die Wurfschnur rollt sich auf einer eher horizontalen Ebene aus.
  • Beim Vorwärtswurf geht die Wurfschnur über die Rutenspitze herüber; die Wurfschnur rollt sich auf einer eher vertikalen Ebene aus.

Der “Power Snap” (alias “Power Stroke”, “Zwick”)

Wie beschrieben erfolgt der Wurf am Ende der Rutenbewegung durch die Änderung des Arbeitswinkels. Während der Änderung des Arbeitswinkels kann die geladene Rute eine zusätzliche Beschleunigung erfahren, wodurch die Wurfschnur mehr Energie erhält. Diese zusätzliche Beschleunigung wird “Power Snap” genannt.

Der Power Snap kann aber auch kontraproduktiv sein, wenn er zu stark ausgeführt wird. Dann kommen Wellen in die Wurfschnur und verhindern das saubere Ausrollen. Außerdem muss gerade bei der Daumenhaltung acht gegeben werden, dass die Rute hinten nicht zu stark abkippt und die Wurfschnur zu tief kommt. Bei schnellen Ruten ist der Power Snap in aller Regel vorteilhaft.

Kontrolle der Wurf- und Schnurhand

Fliegenwerfen bedeutet Kontrolle über die Schnur. Die Fliegenrute kann die Schnur um so kontrollierter bewegen, desto mehr sie eine natürliche Verlängerung des Unterarmes darstellt (wie beschrieben kann das Handgelenk viele Fehler verursachen). Daher sollte möglichst kein Winkel zwischen Unterarm und Rute existieren, sondern Unterarm und Rute eine Gerade bilden. Dies ist gegeben, wenn der Griff der Rute über seine gesamte Länge am Unterarm zu spüren ist, d.h. am Unterarm anliegt. Außerdem wird dadurch das Handgelenk besonders beim Rückwurf entlastet, weil sich der Rutengriff an dem Unterarm “anlehnen” kann und so die Kraft direkt aus dem Unterarm auf die Rute übertragen wird.

Die Schnurhand hält die Wurfschnur während des gesamten Wurfablaufs gespannt. Aus diesem Grunde muss sie sich der Bewegung der Wurfhand anpassen. Um ein Gefühl für die Bewegung der Schnurhand während des Werfens zu bekommen, klemmt man die Wurfschnur mit der Wurfhand am Rutengriff fest. Die Schnurhand hält nun die Wurfschnur so, dass sie während der Wurfbewegungen hinter dem beschriebenen Einklemmpunkt gleichmäßig gespannt bleibt. Erst beim Doppelzug entwickelt die Schnurhand eine eigene, der Wurfhand gegensätzlichen Dynamik.

Die Bedeutung der Schnurhand wird häufig unterschätzt. Einige Wurffehler resultieren gerade aus dem falschen Einsatz der Schnurhand.

Sich zum Wurf stellen

Der Wurf wird neben den geschilderten Faktoren noch dadurch beeinflusst, wie sich der Werfer zur Wurfrichtung stellt. Unser Körper erlaubt eine optimal Nutzung der Wurfmotorik, wenn der Fuss auf der Wurfhandseite etwas nach hinten gestellt wird. Dadurch kann die Rutenhand weiter nach hinten geführt und der Körper besser in die Wurfbewegung einbezogen werden (Vergrößerung der Arbeitsweges).

Die Stellung zum Wurf wird mit zunehmender Wurfweite immer wichtiger. Bei langer Wurfschnur stellen die meisten Werfer den hinteren Fuss der Rutenhandseite etwa 90 Grad und den vorderen Fuss der Schnurhandseite ca. 45 Grad zur Wurfrichtung.

Andere Werfer stellen den Fuß auf der Rutenhandseite gerade nach vorne. Dadurch blockieren sie den Arbeitsweg der Rute zwar, gewinnen aber für die Schnurhand eine etwas längeren Zugweg und ein einfacheres Tracking (Gerader Weg der Rutenspitze).

Der Rückwurf und der Mittelpunkt

Der Rückwurf wird von vielen Fliegenfischern unterschätzt. Ohne einen guten Rückwurf ist ein guter Vorwärtswurf nicht möglich. Nur wenn sich die Schnur hinten vollständig gerade gestreckt hat, kann die Rute für den Vorwärtswurf optimal geladen werden. Jeder Fliegenwerfen sollte daher speziell den Rückwurf trainieren und ihn ab und an kontrollieren, indem er die Schnur hinten ablegt. Liegt die Schnur gestreckt und gerade, so ist der Rückwurf gut. Idealerweise liegt die Schnur hinten auf einer Geraden, die eine Verlängerung der Richtung des Vorwärtswurfes darstellt. Streckt sich die Schnur hingegen nicht, dann ist der Rückwurf nicht optimal.

Mit dem Ablegen der Schnur beim Rückwurf kann auch geprüft werden, in welcher Richtung zum Körper sich die Schnur befindet. Beschreibt die Fliegenrute eine absolut vertikale Wurfebene, dann zieht die Schnur “über den Kopf” hinweg und kommt genau hinter der dem Werfer zu liegen. In diesem Falle steht der Werfer im Mittelpunkt des Wurfes, d.h. er steht – aus der Vogelperspektive betrachtet – genau in der Flugbahn der Schnur.

Je mehr der Werfer im Mittelpunkt des Wurfes steht, desto näher zieht die Schnur am Körper vorbei und kann ihn touchieren. Die moderne Wurflehre bevorzugt daher eine zur vertikalen geneigte Wurfebene (H.R. Hebeisen empfiehlt beispielweise eine um ca. 45 Grad geneigte Wurfebene). Damit die geneigte Wurfebene – wieder aus der Vogelperspektive betrachtet – nicht gekrümmt wird, muss die Rutenspitze beim Rückwurf seitlich vom Körper weggeführt werden. Die Schnur zieht seitlich am Körper vorbei und kommt beim Rückwurf auch seitlich vom Werfer zu liegen. In diesem Falle steht der Werfer nicht im Mittelpunkt des Wurfes, d.h. die Flugbahn der Schnur geht an ihm seitlich vorbei. Auch der Backhandwurf liegt auf einer geneigten Wurfebene. Die Wurfebenen des Normal- (bzw. Vorhand-) und Backhandwurfes beschreiben dann bei gleichen Wurfziel ein “V”.

 

oben: Der Rückwurf, der Mittelpunkt, das "V"

Sehr viele Fliegenwerfen neigen dazu, beim Rückwurf die Wurfebene in Richtung des Körpers einzudrehen bzw. zu krümmen, was die Schlaufe in horizontaler Richtung öffnet. Je geneigter die Wurfebene, desto seitlicher weg vom Körper muss die Rutenspitze beim Rückwurf geführt werden. Nur dann beschreibt sie eine Gerade und die Wurfebene wird nicht gekrümmt.

Wurffehler

Häufige Wurffehler

Die häufigsten Wurffehler sind:

Wurffehler Mögliche Ursachen
Wurfschnur hinten zu tief, Fliege bleibt im Gras hängen: Ist das Handgelenk zu weit nach hinten abgekippt (kommt häufig bei der Daumenhaltung vor)? War die Rutenspitze am Anfang des Rückwurfes schon zu hoch (im weiteren Verlauf kann die Rutenspitze dann nur noch nach unten geführt werden) ? Zu geringe Beschleunigung (und damit Aufladung) der Rute ?
Fliege verfängt sich in der Wurfschnur (Tailing Loops, sog. “Birne): Beschreibt die Rutenspitze eine konkave Bahn (nach oben berichteten Bogen) ? Ist der Rutenwinkel zu früh, d.h. bereits am Anfang des Vorwärtswurfes geändert worden ? Ist die Beschleunigung der Rute nicht gleichmäßig genug erfolgt (der Druck kommt zu früh, die Rute wird “überpowert”) ?
Perücke des Vorfachs: War die Rutenspitze hinten zu tief ? Bewegt sich die Schnurhand beim Vorwärtswurf mit nach vorne (d.h. Abbau der Schnurspannung und damit Verlust der Dynamik) ? Wurde die Rute während sich die Wurfschnur hinten noch streckte, schon wieder nach vorne geführt (“Zwischenvorschwung”, falsches Timing) ?

Die “feinen” Wurffehler

Bei geübteren Werfern treten die Wurffehler häufig erst bei längerer Wurfschnur zutage, weil die lange Wurfschnur ein hohes Maß an Feinmotorik im Bewegungsablauf erfordert. Diese Wurffehler machen sich dadurch bemerkbar, dass sich die Wurfschnur nicht optimal in der Luft ausrollt, sondern Wellen und Ausbauchungen bildet, die meistens erst am Ende der Wurfschnur auftreten. In erster Linie kommt dieses Schlaufenbild durch eine schlechte Beschleunigung (aktiver Handgelenkeinsatz), durch einen kurvigen Weg der Rutenspitze (kurzzeitiges Verlassen der Geraden) oder/und asynchrone Abstimmung zwischen Schnur- und Rutenhand zustande. Diese beiden Fehler stehen beispielhaft für den dynamischen und geometrischen Anteil des Fliegenwurfes, der zusammen die Physik des Wurfes ausmacht.

Ziel muss es sein, dass sich die Wurfschnur bis hin zu ihrem Ende gleichmäßig, in möglichst enger Schlaufe ausrollt ! Dies kann nur durch einen gleichförmigen Wurfablauf erreicht werden. Es empfiehlt sich, den eigenen Wurf einem erfahrenden Petrijünger vorzuführen, wenn möglich mit Video aufzuzeichnen und ihn auf die beschriebenen Fehlerquellen zu untersuchen.

Fehlerhaftes Schlaufenbild absichtlich werfen

Werfer, die ein fehlerhaftes Schlaufenbild absichtlich werfen können, haben gegenüber Werfern, die dies nicht können, einen großen Vorteil: sie haben den Grund verinnerlicht, wenn sich (mal) eine Schlaufe nicht richtig entwickelt. Wer fehlerhafte Schlaufenbilder werfen kann, hat die Wurfmechanik durchdrungen und ist in der Lage, nicht nur sich selbst, sondern auch Fehler anderer Werfer korrigieren zu können. Diese Fähigkeit vergrößert die Sicherheit jedes Werfers. Für ein vertieftes Verständnis der Wurfmechanik ist es unablässig, sich auch mit der fehlerhaften Wurfmechanik praktisch auseinander zu setzen.

Fortgeschrittene Wurftechniken

Die im Folgenden beschriebenen erweiterten Wurfformen setzen eine möglichst gute Beherrschung der Grundform des Fliegenwurfs voraus.

Die Rutenspitze wirft die Schnur

In den allermeisten Wurfdisziplinen wird der Wurfgegenstand, wie z.B. ein Speer, direkt mit der Hand geworfen. Beim Fliegenwurf befindet sich zwischen der Hand und der Schnur als Wurfgegenstand die biegsame Fliegenrute. Die Fliegenrute bietet eine große Hilfe an, die Schnur weit zu werfen – wenn sie richtig eingesetzt, d.h. optimal geladen wird. Zur Verdeutlichung der Wirkungsweise kann folgende Überlegung führen: angenommen, die Wurfschnur sei der Speer und die Rutenspitze die Hand, welche ihn wirft. Dann wird klar, warum die Rutenspitze beim Wurf möglichst eine Gerade beschreiben und ihre Beschleunigung gleichförmig sein sollte. Mir ist kein Speer bekannt, der bei einem runden Arbeitsweg und ungleichförmiger Beschleunigung weit geflogen wäre.

Es ist also überaus hilfreich, die Rutenspitze während des Werfens zu beobachten. Wem sich die Rutenspitze zu schnell bewegt, kann sie z.B. mit einem leuchtenden Klebeband umwickeln.

Der Doppelzug

Der Doppelzug sollte im Repertoire keines Fliegenfischers fehlen. Allerdings ist die möglichst perfekte Beherrschung des Grundwurfs unerlässlich, bevor man sich den Doppelzug aneignen kann und sollte; denn der Doppelzug kann auch Wurffehler im Grundwurf verborgen halten.

Mit dem Doppelzug kann die Wurfweite gesteigert werden, weil der Arbeitswinkel auch bei längerer Schnurführung klein gehalten werden kann und sich dadurch auch bei längerer Wurfschnur eine enge Schlaufe bildet.

Der Doppelzug leistet einen zusätzlichen Arbeitsweg, der im Wesentlichen die Schnurgeschwindigkeit und die Rutenladung erhöht, welche allein aus dem Arbeitsweg der Rutenspitze aufgebaut wird. Entscheidend für eine optimale Effizienz ist, dass die Zugrichtung der Schnurhand an der Schnur entgegengesetzt zur Bewegungsrichtung der Rutenhand, erfolgt ! D.h.

  • Die Schnurhand wird beim Vorwärtswurf an der Körperachse vorbei nach hinten geführt, beim Rückwurf entsprechend nach vorne
  • Die Beschleunigung der Schnurhand steigt im selben Maße mit der Beschleunigung der Rutenspitze an – eher etwas schneller.

Die Beschreibung des Doppelzuges erfolgte schon in vielen Büchern zum Fliegenfischen, weshalb an dieser Stelle nicht genauer darauf eingegangen wird (1). Um die Wirkungsweise besser verstehen zu können, habe ich folgende Skizze erstellt.

oben: die Funktionsweise des Doppelzuges

Die Rutenführung / Drift

Neben den genannten Parametern ist der kontrollierte Bewegungsablauf der Rute maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung der Schlaufe. Je kontrollierter die Rute zwischen den Stopps geführt wird (Rutenführung), desto kontrollierter rollt sich die Wurfschnur in der Luft aus. Zur Rutenführung kann auch die Drift der Rute gerechnet werden, die Rutenführung umfasst jedoch noch viel mehr.

Die Rutenführung erstreckt sich über die gesamte Wurfphase, wobei der Rutenführung vor und nach den Stoppunkten eine unterschiedliche Bedeutung zukommt: die Führung zwischen den Stopps dient der gleichförmigen, kontrollierten Beschleunigung der Wurfschnur. Die Führung nach dem Stopp (Drift) dient der Optimierung des Arbeitsweges und der Entwicklung der Wurfschnur.

Die optimale Führung der Rute zwischen den Stopps wird mit einem gleichförmigen, kontrollierten Bewegungsablauf erreicht. Darunter fallen insbesondere

  • Der Weg der Rutenspitze (Geometrie): die Rutenspitze soll sich auf einer Geraden bewegen.
  • Die Beschleunigung (Dynamik): die Beschleunigung verläuft zwischen den Stopps gleichförmig, die Geschwindigkeit nimmt gleichförmig zu.

Die optimale Führung der Rute nach dem Stopp (Drift) liegt in der Dämpfung und der Arbeitswegverlängerung. Je schneller die Nachschwingungen der Rutenspitze beruhigt werden können, desto ruhiger rollt sich auch die Wurfschnur aus. Die bis zum Stopp aufgebaute Rutenladung entlädt sich, indem die Rutenspitze ihre Ruhestellung durchläuft und in der Wurfrichtung nachschwingt. Diese erneute Rutenladung muss sich wieder entladen, indem die Rutenspitze wieder zurückschwingt. Genau ab diesem Zeitpunkt kann die Rute aktiv gedämpft werden. Die optimale Dämpfung der Rute ist erreicht, wenn die Rutenspitze beim Zurückschwingen die Ruhestellung nicht erneut durchläuft sondern in ihr stehen bleibt. Ohne Dämpfung würde die Rutenspitze mehr als einmal die Ruhestellung durchschwingen, was häufig Wellen in die Wurfschnur bringt. Am besten lässt sich die Dämpfung erreichen, indem unmittelbar nach den Stopp

  • die Rutenspitze weiter in die Wurfrichtung geführt wird und
  • der Handdruck auf den Griff der Ruten gemindert wird.

Bei optimaler Ausführung dieser Maßnahmen werden alle unnötigen Nachschwingbewegungen verhindert und die Rutenspitze besitzt keine Unruh, während sich die Wurfschnur ausrollt. Die beschriebene Rutenführung nach dem Stopp begünstigt darüber hinaus noch zwei weitere Parameter des Wurfes:

  1. Die Wurfgeometrie wird optimiert. Der Arbeitsweg vergrößert sich (Drift) und der Arbeitswinkel kann kleiner gehalten werden
  2. Eine gleichzeitig leicht nach oben geführte Rutenspitze “zieht die Schlaufe zu”, d.h. sie wird schneller und enger.

Die Führung der Rute kommt aus dem Unterarm. Wird das Handgelenks (zu stark) benutzt, wird die Führungsbewegung des Unterarms die nicht mehr genügend in die Rute und damit letztlich auf die Wurfschnur übertragen. Für den fortgeschrittenen Werfer liegt in der Verbesserung der Rutenführung der Schlüssel für die Verbesserung der Wurfs hinsichtlich Kraftreduzierung und Weite (siehe auch “Der Distanzwurf”).

oben: Das Nachführen / Driften der Rute

Die Schulter- und Körperarbeit optimieren

Der von Hans Gebetsroither entwickelte “Österreichische” Wurfstil erlaubt dem Werfer ein Höchstmaß an kontrolliertem Körpereinsatz. Der Wurf kommt nicht allein aus der Armbewegung, sondern wird aus der Schulter über den Wurfarm in die Rute übertragen. Das Handgelenk wird nicht (aktiv) benutzt, Unterarm und Rute bilden eine Gerade.

Die Schulterarbeit lässt sich weiter optimieren, wenn der Oberkörper zu Beginn der Wurfbewegung stärker eingesetzt wird. Der Wurf beginnt dann in den langsameren und kräftigeren Muskeln des Oberkörpers und wird über die schnelleren, weniger kräftigen Muskeln der Schulter und des Arms schließlich in die Rute geleitet. Die Bewegung des Oberkörpers geht der Wurfbewegung voran. Sobald der Oberkörper in Bewegung ist, wird die Rute mit einer aufeindern abgestimmten Schulter- und Ellenbogenbewegung zum Oberkörper hin geführt, ohne dass sich ihr Arbeitswinkel ändert (Rutenspitze und –griff besitzen in etwas die selbe Geschwindigkeit). Der Oberkörper nimmt diese Bewegung auf und führt sie mit seiner eigenen Bewegung weiter fort, bis die Schulter die Bewegung wieder entgegennimmt und über den Ober- und Unterarm weiter Richtung Rute leitet.

Der Oberkörper erzeugt durch sein Vorangehen über das Schultergelenk eine Spannung auf die Rute. Durch die Spannung wirkt ein zusätzlicher Druck, der die Rute sofort zu Beginn der Wurfes stärker und gleichmäßiger auflädt. Wesentlich dabei ist, dass die Änderung des Arbeitswinkels gleichzeitig verzögert wird. Je mehr die Oberkörperbewegung den weiteren Wurfbewegungen vorangeht, desto größer die Spannung, die zwischen Oberkörper und Rute erzeugt werden kann! Sportler von Weitwurfdisziplinen verfahren so (z.B. Speerwerfen). Sie bewegen zu Beginn des Wurfes den Oberkörper in die Wurfrichtung und bauen durch diese Verzögerung eine Spannung zwischen dem Körper und dem Wurfgegenstand auf. So ist es auch für den Fliegenwurf optimal.

Die Grundprinzipien des Wurfes, wie die gleichförmige Beschleunigung und der gerade Weg der Rutenspitze, sind natürlich auch bei diesem Bewegungsablauf einzuhalten. Eine Streckbewegung unterstützt den Körper am besten, die Grundprinzipien des Wurfes einzuhalten.

Fliegendistanzwurf

Der weite Wurf mit der Fliegenrute

Für den Distanzwurf über 27 Meter mit herkömmlichen WF oder DT- Schnüren ist es unerlässlich, dass gut 23 m Wurfschnur mit engem, ruhigem (d.h. wellenfreien) Schlaufenbild in der Luft gehalten werden können. Ganz besondere Bedeutung kommt dabei der Entwicklung der Schlaufe beim Rückwurf zu: nur wenn sich die Schlaufe bis zum Ende hin eng ausrollt, kann sich die Wurfschnur auch über große Weiten vollkommen strecken. Das bewirkt, dass die Wurfschnur schon während der gesamten Ausrollbewegung an der Rute zu ziehen beginnt, wodurch sich die Aufladung für den Vorwärtswurf wesentlich erhöht. Durch den maximal aktivierten Arbeitsweg und kommt es nicht mehr darauf an, dass die Wurfschnur unbedingt immer hoch in der Luft liegt (obwohl die hohe Wurfschnur für die Fischerpraxis natürlich von Vorteil ist. Rein physikalisch gesehen ist es aber für den Distanzwurf nicht notwendig ! [siehe dazu auch Distanzwurf von H.R. Hebeisen]). Einzig das saubere, kontinuierliche Ausrollen der Wurfschnur in enger Schlaufe über ihre gesamte Länge ist wesentlich !

Beim Distanzwurf wird der Vorwärts- und Rückwurf bei den Leerwürfen nahezu identisch ausgeführt, so dass sich in beiden Wurfrichtungen ein gleichaussehendes Schlaufenbild ergibt. Außerdem sollte sich die Wurfschnur – aus horizontaler und vertikaler Sicht – möglichst in der Höhe der Rutenspitze ausrollen, wenn sich die Rute in der Stopposition befindet. Geht die Wurfschnur zu weit an der Rutenspitze vorbei, kann die Energie nicht optimal, d.h. zielgrichtet in die Ausrollbewegung der Wurfschnur umgesetzt werden. Wenn die Wurfschnur zu geringen Zug entwickelt, ist der Wurf in diese Richtung nicht optimal ausgeführt worden.

Das saubere, kontinuierliche Ausrollen der langen Wurfschnur in enger Schlaufe stellt hohe Anforderungen an die Wurfgeometrie und -dynamik. Wurfgeometrie: es ist wesentlich, dass die Rutenspitze nicht nur aus der Seitenansicht, sondern auch aus der Vogelperspektive betrachtet, zwischen den Stoppunkten auf einer Geraden geführt wird (das sogenannte “Tracking”. Siehe auch Rutenführung zwischen den Stopps). Insbesondere während der größten Beschleunigung kurz vor dem Stopp, wenn die Änderung des Arbeitswinkels am größten ist, muss sich die Rutenspitze auf einer exakt geraden Bahn befinden. Eine auch noch so kleine Bewegung abseits der Geraden erzeugt am Ende der Wurfschnur eine undynamische Schlaufe (Tailing Loop, “offene” Schlaufe usw:). Oft erfährt die Rutenspitze kurz vor dem Stop genau diese unerwünschte Bewegung, wenn die Rute während des Wurfes um ihre Achse nach aussen gedreht wird. Wurfdynamik: es ist wesentlich, dass sich die Wurfschnur sowohl beim Vorwärts- als auch beim Rückwurf gerade und vollkommen gestreckt hat und eine möglichst hohe Zugkraft ausübt, bevor die Gegenbewegung eingeleitet wird (exaktes Timing !). Wesentlich dafür ist die gleichförmige Zunahme der Geschwindigkeit der Rutenspitze bis zum Stopp. Die Geschwindigkeit der Rutenspitze sollte beim Stopp hoch sein. Dies kann gut mit einem verzögerten Abkippen erreicht werden (late butt rotation).

Mit der Rutenführung nach dem Stopp (Drift) wird der Arbeitsweg für den folgenden Wurf in die andere Richtung verlängert. Darüber hinaus kann mit der Rutenführung nach den Stopp die Schlaufe der Wurfschnur während des Ausrollens “zugezogen” (verengt) werden. Dies geschieht, indem die Rutenspitze nach dem Stopp leicht nach oben geführt wird, um die Nachwippbewegungen der Rutenspitze zu dämpfen. Die Rute wird nach oben “gestochen”. Wichtig dabei ist, dass die Rutenspitze nicht schon vor dem Stopp nach oben geführt wird ! Dann beschreibt die Rutenspitze einen konkaven Weg, der Tailing Loops (“Birne”) erzeugt.

Von absolut zentraler Bedeutung für den weiten Fliegenwurf ist die Schnurhand. Der Distanzwurf kommt überwiegend aus der Schnurhand, die den Doppelzug ausführt und damit die Schnurgeschwindigkeit und die Rutenladung erhöht. Besonders wichtig ist das synchrone Zusammenspiel zwischen der Schnur- und Rutenhand: wenn die Rutenhand den Rutenwinkel ändert, ist der Zug der Schnurhand am größten bzw. schnellsten. Der Rutenhand kommt im Wesentlichen die sauberer Führung der Rute zu.

Wichtig für den Distanzwurf ist letztlich auch noch, dass sich die Schlaufe der Wurfschnur vertikal abrollt. Dies bewirkt, dass auch bei den Leerwürfen die lange Wurfschnur hoch in der Luft bleibt und vom Werfer kontrolliert gehalten werden kann. Über die Gründe darüber hat N.C. Perkins einen mathematischen Aufsatz verfasst.

Um eine vertikale Abrollbewegung der Schlaufe zu erreichen, muss jeder Distanzwerfer die für sich optimale Wurfebene finden. Die meisten Fliegenwerfen richten für längere Würfe die Wurfebene vertikal auf, da sie das beschrieben Schlaufenbild am einfachsten erzeugen kann. Die vertikale Wurfeben unterstützt darüber hinaus auch noch das Tracking (absolute Gerade der Rutenspitze), für den turniermäßigen Distanzwurf ein Muss. Für den Distanzwurf beim praktischen Fischen ist von einer vertikalen Wurfebene aber eher abzuraten, weil die Fliege nahe am Körper vorbeifliegt. Der ambitionierte Fliegenfischer und –werfer wird den weiten Wurf auch für eine geneigtere Wurfebene trainieren, um sich die Fliege vom Leib zu halten.

Wie bei jeder Sportart, bei der es um Wurfweite geht, muss der ganze Körper mit in die Bewegung einbezogen werden. Mit der Körperbewegung wird der Beschleunigungsweg verlängert. Auch beim Fliegendistanzwurf ist deshalb wichtig: die Spannung für den Wurf wird im Körper aufgebaut und über das Schultergelenk in den Arm und schließlich in die Rute geführt. Es lässt sich sagen: die langsameren und kräftigeren Muskeln beginnen den Wurf und leiten ihn über die schnelleren und weniger kräftigen Muskeln weiter.

Es ist vorteilhaft, den Körper mehr durch eine Streck- als durch eine Drehbewegung in den Wurf mit einzubeziehen. Eine Streckbewegung unterstützt den Werfer darin, den geraden Weg mit der Rutenspitze fahren zu können. Ein Hohlkreuz am Ende des Rückwurfs ist ein guter Hinweis darauf, dass der Körper eine Streckbewegung erfahren hat. Darüber hinaus kann der Werfer während der Streckbewegung die Rutenspitze gut beobachten, um deren geraden Weg beim Rückwurf zu kontrollieren.

Einer der häufigsten Wurffehler beim Distanzwurf ist der Tailing Loop am Wurfschnurende. Neben den schon erwähnten Gründen für die Entstehung eines Tailing Loop gibt es speziell beim Distanzwurf im Wesentlichen noch zwei weitere Fehlerquellen. Entweder die Ruten- und Schnurhand arbeiten nicht synchron zusammen (siehe auch Doppelzug) oder der Arbeitwinkel wird zu klein gehalten. Beim zuletzt genannten Grund ist wieder der konkave Weg der Rutenspitze die eigentliche Ursache: denn beim Distanzwurf ist die Rutenaufladung größer, die Rute biegt sich stärker. Dadurch kommt die Rutenspitze weiter nach unten, die Rute “verkürzt” sich quasi. Erfolgt der Stopp nun zu früh, entlädt sich die stark aufgeladene Rute in der Art, dass die Rutenspitze eine konkave Bahn beschreibt – das erzeugt bekanntlich Tailing Loops. Der weiter geöffnete Arbeitwinkel (der bei sehr starker Aufladung beim Rückwurf bis zur 3 Uhr-Stellung gehen kann) führt wegen der größeren Rutenbiegung beim Distanzwurf nicht zwangsläufig zu einer tief liegenden Schnur mit offener Schlaufe, weil die Rutenspitze letztlich doch eine Gerade beschreibt. Besonders bei “weicheren” Ruten, die sich bei gleicher Arbeit mehr als schnelle Ruten durchbiegen, kann durch die Vergrößerung des Arbeitswinkels der Wurferfolg oft gesteigert werden.

Zusammenfassend ist der Bewegungsablauf dahingehend zu optimieren, dass

  • die Änderung des Arbeitswinkels, die immer am Ende der Wurfbewegung stattfindet, so lange wie möglich hinausgezögert (“Late Butt Rotation”) und rasant geändert wird,
  • der Zug der Schnurhand absolut syncron zu der Arbeitswinkeländerung kommt,
  • der Körper – möglichst durch eine Streckbewegung – mit in den Wurf einbezogen wird,
  • die Arbeitsebene der Rute in Richtung Vertikale gelegt wird,
  • sich die Wurfschnur in der Nähe der Rutenspitze ausrollt, während sich die Rute in ihrer Stopposition befindet,
  • auf das Tracking insbesondere kurz vor dem Stopp geachtet wird,
  • die Wippbewegungen der Rute am Ende des Wurfes gedämpft werden (Rutenführung, Drift)

Wie ich Distanzfliegenwürfe sah

a) Hans Ruedi Hebeisen

Hans Ruedi verdeutlicht in seinen Wurfkursen den Distanzwurf, indem er die Bedeutung der Endgeschwindigkeit als das wesentliche Element hervorhebt. Um mir den Bewegungsablauf des finalen Vorwärtswurfes besser zeigen zu können, legte er fast die gesamte Wurfschnur gestreckt hinter sich auf den Rasen und fasste diese am Ende mit der linken Hand nahe am Leitring an. Die Rute lag in der 3 Uhr-Stellung (Horizontale) und in einem 45 Grad Winkel zur Körperachse.

Den Wurfablauf beobachtete ich so: bis zur 13 Uhr-Stellung beschleunigte er die Rute – absichtlich – nur mäßig, in etwa so wie beim Grundwurf. Der Arbeitswinkel änderte sich dabei kaum. Die linke Hand unterstützte das Aufladen der Rute durch einen eher geringen Zugweg von höchstens 20 cm. Zwischen der 12 und 10 Uhr-Stellung der Rute “explodierte” seine linke Hand förmlich, indem sie in einer unglaublich schnellen Bewegung die Wurfschnur zog, um sie am Ende des Zugweges sofort loszulassen. Zur selben Zeit veränderte er den Arbeitswinkel rasant. Das Ergebnis war, dass die Wurfschnur nach vorne schoss und sich mit zusätzlicher Backingschnur gerade auf den Rasen legte ! Er verriet mir dann noch, dass neben der von mir beschriebenen, rasanten Beschleunigung der linken Hand der richtige Zeitpunkt des Loslassens der Wurfschnur von entscheidender Bedeutung sei: läst man zu früh los, bricht die Wurfschnur in der Luft (über dem Werfer) zusammen; lässt man zu spät los, schießt keine (Wurf- / Backing-) Schnur nach. Darüber hinaus komme der Streckung der Wurfschnur, gerade beim letzten Rückwurf, ganz besondere Bedeutung zu (weshalb er die Wurfschnur demonstrativ ausgestreckt ausgelegt hat).

Zusammenfassend gesagt:

  • die Beschleunigung der linken Hand war zum Ende des Wurfes hin extrem schnell
  • der Arbeitsweg der Rutenspitze wird voll ausgenutzt !
  • die Änderung des Arbeitswinkel so lange wie möglich hinauszögern und rasant durchführen!

b) ‘Jupp’ Verstraten

Jupp’s Art des Weitwurfes ist geprägt durch die Führung der Rute. Das Handgelenk wird nicht benutzt, der gesamte Bewegungsablauf kommt aus Schulter und Oberarm. Dadurch kann er auch eine sehr lange Wurfschnur ohne Wellen in der Luft halten. Der letzte Rückwurf besitzt bei ihm eine Auffälligkeit: zunächst erreicht er u.a. durch die Rutenführung die erforderliche Streckung der Wurfschnur. Sobald er zum finalen Vorwärtswurf ansetzt, bewegt er die Rute kurzzeitig in die 3-Uhr-Stellung (Horizontale). Dadurch verlängert er den Arbeitsweg der Rute nochmals ein wenig !

c) Nicolai Eriksen

Der Distanzwurf von Nicolai nutzt die motorischen Möglichkeiten des Wurfablaufes sehr effektiv aus. Seine Füße stehen rechtwinklig zur Wurfrichtung und sein Oberkörper befindet sich beim Rückwurf parallel zur Wurfrichtung. Beim Vorwärtswurf dreht er den Oberkörper leicht mit in die Wurfrichtung, um den Weg voll auszunutzen. Der Oberarm (zwischen Schulter und Ellenbogen) der Wurfseite verbleibt über den gesamten Wurf hinweg ungefähr rechtwinklig zur Körperachse, wodurch der Ellenbogen unter dem zusätzlichen Einfluss der Körperdrehung eine Gerade in die Wurfrichtung beschreibt. Der Ellenbogen “führt” seinen Wurf. Der Unterarm (zwischen Ellenbogen und Handgelenk) wird so bewegt, dass die Rute eine vertikale Ebene neben den Körper beschreibt.

Besonders der Rückwurf besitzt bei Nicolai eine hohe Dynamik. Zu Beginn bewegt er die Rute ohne Änderung des Arbeitswinkels in die 10 Uhr- Stellung vor seinen Körper, bis der Ellenbogen der Rutenhand hinten ansteht und führt gleichzeitig die Schnurhand vertikal bis zum Leitring heran. Mit dieser Bewegung baut er noch keine signifikante Ladung in der Fliegenrute auf, sondern zieht Ausbauchungen aus der Schnur heraus, so dass er zu Beginn des Rückwurfes vollen Kontakt zur gestreckten Schnur hat. Aus dieser Stellung heraus zieht er mit der Schnurhand voll durch und ändert gleichzeitig schlagartig den Arbeitswinkel der Rute (Rotationsbewegung), so dass die Wurfschnur mit hoher Geschwindigkeit über den Spitzenring geht. Dadurch, dass sich sein Körper parallel zur Wurfrichtung befindet, kann er gleichermaßen seinen Rück- und Vorwärtswurf sehr gut beobachten.

d) Uwe Rieder

Uwe bevorzugt eine seitlichere Führung der Fliegenrute. Dadurch hält er sich die Fliegenschnur samt Fliege effektiv vom Leib. Seine Schulterarbeit ist vorzüglich. Dadurch, dass er zusätzlich zum Schultereinsatz den Oberkörper zu Beginn seine Wurfes einsetzt, baut er die Spannung in der Rute sehr gleichmäßig über einen längeren Weg auf und verzögert gleichzeitig die Änderung des Arbeitswinkels. Diese Technik ermöglicht Uwe eine lange Schnur auch ohne Doppelzug und einen sehr effektiven Rollwurf und Switch- Cast zu werfen. Auch mit weichen Ruten kann er darum größere Distanzen werfen.

Uwe dreht den Ellenbogen während des Rückwurfs leicht nach innen, sobald sich die Rutenhand auf der Höhe der Körperachse befindet. Die Rolle zeigt dann am Ende des Rückwurfes zum Körper hin. Durch diese Torsionsbewegung bleibt die Rutenspitze auch hinten auf einer absoluten Geraden, was eine sich horizontal ausbildende, große Schlaufe verhindert. Während des Vorwärtswurf dreht er umgekehrt den Ellenbogen leicht nach außen, sobald sich die Rutenhand auf der Höhe der Körperachse befindet. Gerade bei einer seitlicheren Wurfebene kann diese leichte Torsionsbewegung von Vorteil sein, wenn sie über den Wurfweg richtig verteilt wird. Dies erfordert ein gewisses “Torsions-Timing”, was gut geübt werden muss.

Wurfvarianten

Der Wurf mit schwerem Einhandgerät

Wie beschrieben ist die (Daumen-) Zeigefingerhaltung der Ruten für die meisten Situationen am Fischwasser von Vorteil. Nachteil dieser Rutenhaltung ist einzig, dass der Druck, den die Hand auf die Rute ausübt, begrenzt ist. Solange mit leichtem Gerät gefischt wird, ist das unerheblich. Sobald aber schwereres Einhandgerät ab der Klasse 7-8 geworfen wird, ermüdet die Rutenhand (beim normalmuskulösen Menschen) schnell. Es sollte dann auf einen andere Rutenhaltung zurückgegriffen (im Sinne des Wortes) werden.

a) die Daumenhaltung

Bei der Daumenhaltung liegt der Daumen oben auf dem Rutengriff, die übrigen Finger umschließen ihn. Mit der Daumenhaltung kann schwereres Gerät ermüdungsfrei geworfen werden. Sie hat gegenüber den Daumen-Zeigefingerhaltung (und Zeigefingerhaltung) aber zwei Nachteile:

  1. um die Rute innerhalb des idealen Arbeitswinkels (zwischen 10 und 1 Uhr) zu führen, muss das Handgelenk unnatürlich angewinkelt werden. Läge der ideale Arbeitswinkel zwischen 11 und 3 Uhr, wäre die Daumenhaltung hervorragend geeignet. So aber ist der Daumenwerfer immer geneigt, dass Handgelenk beim Rückwurf zu stark abzukippen.
  2. Wird die Rutenhand an der Körperachse vorbeigeführt, verkantet / verdreht sich die Rolle nach außen. Dies führt aber dazu, dass die Rutenspitze die Gerade verlässt, was ein sauberes Ausrollen der Wurfschnur verhindert.

Die beiden Nachteile können nur vermieden werden, wenn sich die Rutenhand bei der Daumenhaltung ausschließlich vor der Körperachse bewegt. Aus dieser Einschränkung der Rutenbewegung ergibt sich, dass der Rutenweg kleiner sein muss als bei der Verwendung der (Daumen-)Zeigefingerhaltung, bei welcher die Rutenhand problemlos an der Körperachse vorbeigeführt werden kann. Der Nachteil des kleineren Arbeitwegs kann nur dadurch kompensiert werden, dass die Beschleunigung der Rute schneller, d.h. ruckartiger vollführt und mit längeren Ruten gefischt wird.

Bei der Verwendung der Daumenhaltung ist es empfehlenswert, den “Englischen bzw. Amerikanischen Wurfstil” anzuwenden, der aber hinsichtlich der Wurfarmbewegung optimiert werden sollte. Denn auch bei der Daumenhaltung der Rute sollte das Schultergelenk eingesetzt werden – selbst wenn dies wegen der beschriebenen Bewegungseinschränkungen nicht in dem selben Maße wie beim “Österreichischen Wurfstil” möglich ist. Bliebe das Schultergelenk gänzlich unbewegt, kann die Rutenspitze keine Gerade beschreiben und die Schlaufe wird offen.

Der richtige Bewegungsablauf bei der Daumenhaltung ist gut mit Hilfe einer Zweihandrute zu verdeutlichen: man greife eine Zweihandrute mit beiden Händen und führe die Wurfbewegungen aus. Dabei präge man sich die Bewegungen der Gelenke des Wurfarms gut ein ! In dieser Weise ist auch die Einhandrute mit der Daumenhaltung zu bewegen, nur dass sich die zweite Hand nicht am Griffende befindet (bzw. bei einer Einhandrute nicht befinden kann !). Wird die Rute wie beschrieben geführt, dann fallen die großen Nachteile der Daumenhaltung (Rolle verkanten, Handgelenk nach hinten abkippen) weg.

Die Einhandrute hat gegenüber der Zweihandrute den Vorteil, dass die linke Hand frei ist und den Doppelzug ausführen kann. Nach meiner Erfahrung sind Zweihandruten erst ab einer Länge von ca. 4 m in der Lage, die fehlende Dynamik des Doppelzuges durch deren längeren Arbeitsweg auszugleichen. Der Vorteil einer Zweihandrute liegt in erster Linie in der sehr guten Schnurkontrollen während des Fischens. Dadurch kommt der Fischer mit weniger Leerwürfen aus und kann die Schnur im Wasser besser menden.

b) Die Greifhaltung

eine Alternative zur Daumenhaltung ist die sogenannte Greifhaltung. Der Daumen wird bei dieser Rutenhaltung seitlich am Griff angelegt, die übrigen Finger umgreifen diesen. Man kann die Greifhaltung als eine Art “Daumenhaltung” auffassen mit dem Unterschied, dass sich die Hand – ausgehend von der Daumenhaltung – um ca. 70-90 Grad um die Rutenachse nach innen dreht. Der Druck kommt beim Vorwärtswurf aus der Wurzel des Zeigefingers. Mit der Greifhaltung können die beiden o.g. Nachteile der Daumenhaltung “entschärft” werden. Zwar besteht auch bei dieser Rutenhaltung die Gefahr des Abkippens der Rute, jedoch gestattet sie, dass die Rute an der Körperachse ohne Rollenverkantung vorbeigeführt werden kann. Mit dieser Rutenhaltung kann der Arbeitswinkel voll geöffnet werden, ohne dabei den Nachteil in Kauf nehmen zu müssen, dass die Rutenachse, wie bei der Daumenhaltung erforderlich, gedreht werden muss. Die Greifhaltung eignet sich besonders, wenn “weichere” Ruten (IM6) in den oberen Gewichtsklassen geworfen werden. Wie bereits beim Distanzwurf aufgezeigt, benötigen weichere Ruten einen größeren Arbeitsweg und Arbeitswinkel, wenn weite Würfe anstehen. Die dafür benötigte Freiheit innerhalb der Wurfmotorik gewährleistet die Greifhaltung am besten.

Der Wurf mit dem Schusskopf

Der Schusskopf ist eine spezielle Wurfschnur, mit der großen Distanzen mit möglichst wenig Aufwand erreicht werden können. Aus diesem Grunde wird er am häufigsten beim Streamer- und Küstenfischen eingesetzt.

Im Schusskopf konzentriert sich das gesamte Wurfgewicht, abgestimmt auf die jeweilige Schnurklasse ! Die sogenannte Runningline (auch Nachschnur genannt), welche am Schusskopf anschließt, besitzt nur die Aufgabe, den Schusskopf mit der Rolle zu verbinden und dabei möglicht wenig Reibungswiderstand zu leisten.

Weil die Runningline gegenüber dem Schusskopf schlaff ist, kann sie keine Schlaufen ausbilden. Zwischen dem Schusskopf und der Runningline können deshalb nur Zugkräfte übertragen werden. Bis zu dieser Verbindungsstelle besitzt der Schusskopf in etwa die Eigenschaften einer DT-Schnur, d.h. er kann sich in der Luft entsprechend ausrollen. Mit zunehmender Länge der Runnungline, die der Schusskopf aus dem Spitzenring der Rute zieht, verschlechtern sich die Ausrolleigenschaften des Schusskopfes schnell. Aus diesem Grunde bleibt dem Werfer kaum eine andere Möglichkeit, als den Schusskopf dann “abzuschießen”. Vor diesem Hintergrund wird auch verständlich, warum Wurfvarianten, die eine stete Kraftübertragung der Wurfschnur erfordern, mit dem Schusskopf nicht durchzuführen sind – sofern er schon völlig aus dem Spitzenring gezogen wurde.

Der Teil der Runningline, der aus dem Spitzenring herausgezogen ist, wird “Overhang” genannt. Für die Wurfweite spielt auch der Overhang eine entscheidende Rolle. Man kann sagen, dass die Wurfweite um die Länge des Overhang gesteigert werden könnte. Dem steht aber die beschriebene Wurfeigenschaft des Schusskopfes entgegen. Der Trick: beim letzen Rückwurf den Schusskopf nach hinten verlängern, indem möglichst viel Runningline eingeschossen wird. Ein weiterer Leerwurf ist dann in aller Regel nicht mehr möglich, weil der Overhang dafür zu lang geworden ist. Der Schusskopf muss dann beim darauf folgenden Vorwärtswurf abgeschossen werden.

Wegen der relativ kurzen Länge eines Schusskopfes um die 9 m kann der Werfer nur eine relativ kurze Schnurmenge in der Luft halten. Deshalb kommt es beim Schusskopffischen auch nicht auf eine spezielle Rutenführung an: es kommt einzig darauf an, dass der Schusskopf beim letzten Rückwurf vor dem “Abschuss” hinten gestreckt ist.

Spezialwürfe / Trickwürfe

Der Bogenwurf

Bogenwürfe spielen in der Praxis beim Fischen mit der trockenen Fliege am fließenden Wasser eine wichtige Rolle. Sie zu beherrschen bedeutet, dass die Fliege lange ohne zu furchen fischen kann. Bogenwürfe sind im Besonderen dann vorteilhaft, wenn der Fliegenfischer eine schnelle Strömung überwerfen muss; denn die gerade gestreckte Wurfschnur wird sofort entsprechend des Strömungsquerschnittes stromabwärts „gebogen“, die Schnur spannt sich und die Fliege wird mitgezogen. Die Folge: unnatürliches Abtreiben der Trockenfliege (Furchen/Dreggen).

Beim Bogenwurf wird die Wurfschnur in einem Bogen stromauf gelegt. Die Strömung muss jetzt den Bogen zuerst aus der Wurfschnur drücken, bevor sich diese spannt; solange aber bewegt sich die Fliege natürlich ! Optimal ist der geworfene Bogen genau dann, wenn er die gespiegelte Form des Bogens besitzt, die sich bei gestreckt abgelegten Wurf stromab bildet.

Auch beim Fischen mit Nymphen kommt der Bogenwurf zum Einsatz: im Gegensatz zum Fischen mit der Trockenfliege wird der Bogen stromab gelegt. Dadurch bleibt das Vorfach während des Abtreibens gestreckt und der Biss kann anhand eines Ruckes in der Schnur erkannt werden.

Der Bogen wird nach dem Stopp der Rute mit der Rutenspitze „gezeichnet“. Sie bewegt sich dabei – während sich die Wurfschnur streckt – auf einer vertikalen Ebene von oben nach unten. Die Wurfschnur setzt diesen vertikal gezeichnete Bogen auf die horizontal Ebene um. Am geläufigsten sind zwei Methoden, einen Bogen zu werfen:

  • Sidecast mit überpowern: mit seitlich angewinkelter Rute werden Leerwürfe durchgeführt, so dass sich die Wurfschnur beim Rück- und Vorwärtswurf auf einer horizontalen Ebene ausrollt. Auf den letzten Vorwärtswurf wird mehr Druck gegeben (“überpowert”), so dass sich das Wurfschnurende samt Vorfach überdreht und einen Bogen ausbildet. Durch das beschriebene Mitzeichnung des Bogens mit der Rutenspitze kann der Bogen noch stärker ausgebildet werden.
  • Hochgeführter Normalwurf: der Arbeitweg wird vorne etwas ansteigend ausgeführt. Nach dem Stopp zeichnet die Rutenspitze den gewünschten Bogen auf einer vertikal vor dem Werfer liegenden Ebene – gleich einem Pinsel, der den Bogen auf eine Leinwand malt. Der fertige Bogen liegt höher in der Luft und kann ggf. noch etwas korrigiert werden, bevor er auf die Wasseroberfläche fällt.

Ob sich der Bogen mehr zum Schnurende oder mehr zum Schnuranfang ausbildet, ist abhängig vom Zeitpunkt des Zeichnens des Bogen nach dem Stopp. Es gilt: je später der Bogen gezeichnet wird (d.h. je weiter sich die Wurfschur schon ausgerollt hat), desto näher liegt der Bogen beim Werfer. Und umgekehrt: je früher der Bogen gezeichnet wird, desto weiter liegt der Bogen vom Werfer entfernt.

Der Schlangenwurf

Für mich ist der Schlangenwurf der einfachste und effektivste Wurf, um das Furchen / Dreggen der Trockenfliege zu verzögern. Unmittelbar nach dem letzten Stop in die Rutenspitze seitliche Wippbewegungen eingeben, die sich auf die Wurfschnur übertragen und ihr eine “Schlagenform” verleiht. Die Wasserströmung muss nun zuerst diese Schlangenform aus der Wurfschnur ziehen, bevor die Trockenfliege furchen bzw. dreggen kann. Bei diesem Spezialwurf muss das Wurfziel in dem Maß überworfen werden, wie die Wurfweite durch die schlangenförmigen Wellen die in der Wurfschnur verkürzt wird. Dies muss der Werfer wie auch bei anderen Spezialwürfen, die das Furchen / Dreggen hinauszögern (z.B. beim Gebetsroither Parachute), beachten.

Rollwurf und Switch- Cast (D- Cast) / Unterhandwurf

Ein Rollwurf ist eine Art „halber“ Wurf mit der Fliegenrute, weil der Rückwurf entfällt. Die Ausgangsstellung des Rollwurfes ist die Endstellung der Ruten beim Rückwurf. Die Rute befindet sich ca. in die 2 Uhr-Stellung. Die Wurfschnur liegt im Wasser und bildet zum Spitzenring der Rute hin einen Bogen. Aus dieser Ausgangsstellung heraus wird der Vorwärtswurf ausgeführt und die Wurfschnur rollt sich über der Wasseroberfläche ab und streckt sich.

Im Unterschied zum Rollwurf besitzt der Switch-Cast keine „statische“ Ausgangsstellung, sondern geht dynamisch in den Rollwurf über. Der Rückwurf wird als Sidecast ausgeführt, die Rutenspitze verläuft parallel zur Wasserfläche. Sobald sich die Wurfschnur vom Wasser gelöst hat, wird die Beschleunigung nicht weiter gesteigert und die Rute aus der seitlichen in eine vertikale Position aufgestellt. Die Rutenspitze beschreibt dabei einen nach oben gerichteten Bogen. Der vordere Teil der Wurfschnur sollte nun parallel zur Wasseroberfläche seitlich auf den Werfer zukommen und gestreckt neben ihm auf das Wasser kommen bzw. “ankern”. Zieht die Wurfschnur stattdessen ohne zu ankern hinten durch, wurde die Beschleunigung der Rute nicht genügend reduziert, nachdem sich die Wurfschnur vom Wasser gelöst hat.

Sobald der vordere Teil der Wurfschnur auf der Wasseroberfläche geankert und ein wenig Adhäsion aufgebaut hat, wird der Vorwärtswurf ausgeführt.

Wesentlich für einen effektiven Rollwurf und Switch-Cast ist die Größe und Form des Schnurbogens: je weiter er nach hinten gelegt und je spitzer er geformt wird, desto besser kann die Rute für den Vorwärtswurf geladen werden. Dies kann wie folgt erreicht werden:

  • beim Rollwurf befindet sich die Rutenspitze möglichst weit hinten und in einer oberen Position. Unmittelbar vor dem Vorwärtswurf wird die Rutenspitze etwas nach oben geführt, wodurch sich der schlaffe Schnurbogen etwas Bewegung erhält und dadurch etwas besser an der Rute ziehen kann.
  • beim Switch-Cast wird die Rutenspitze am Ende des Rückwurfes ebenfalls nach oben geführt. Während sich der Schnurbogen noch nach hinten ausbildet und bevor das Schnurende auf der Wasseroberfläche ankerter, wird der Vorwärtswurf lansam eingeleitet. Dadurch erhält der Schnurbogen, das “D”, eine noch höhere Dynamik.

Der Vorteil des Switch-Casts gegenüber dem Rollwurf liegt darin, dass sich die Wurfschnur über der Wasseroberfläche abrollt. Dadurch entfällt die Adhäsion des Wassers, welche dem Ausrollen der Wurfschnur den größten Widerstand entgegenbringt. Sowohl der Rollwurf als auch der Switch-Cast können (beim Einhandgerät) durch den einfachen Zug mit der Schnurhand optimiert werden.

Der Unterhandwurf und der Switch- Cast sind vom Bewegungungsablauf nicht erkennbar zu unterscheiden. Die physikalische Wirkungsweise ist identisch. Als Begründer des Switch- Cast ist Roman Moser zu nennen, beim Unterhandwurf sind es Göran Andersson und die Syrstad- Brüder Knut und Trond. Roman Moser entwickelte den Switch- Cast mit der Einhandrute, während der Unterhandwurf zuerst für die Zweihandrute entstand und später auf die Einhandrute übertragen wurde.

Videos Fliegenwerfen

Hier sind einige Videos übers Fliegenwerfen und -fischen zusammengestellt.

 

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(1) Die Aquarellzeichnungen entstammen dem Buch “Faszination Fliegenfischen”, für die Zustimmung zur Veröffentlichung bedanke ich mich bei H.R. Hebeisen.

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