Fliegenbinden

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Unterseite Fliegenmuster

Das Binden von Fliegen

Für mich ist das Binden von Fliegen ein wichtiger Teil unserer Passion. Der “Fischereientzug” im Winter lässt sich gut mit dem Auffüllen der Fliegenschachtel(n) lindern. Neue Ideen und die Erfahrungen der vergangenen Saison fließen in die Muster ein.

Das Binden von Fliegen betrachte ich pragmatisch und minimiere ganz bewusst alle Bindeschritte, die für das Muster nicht unbedingt erforderlich sind. Nach meiner Erfahrung ist es für den Fangerfolg viel entscheidender, die Fliege perfekt zu servieren als auf eine möglichst echte Imitation zu vertrauen. Doch ganz ohne einige Grundregeln binde auch ich meine Fliegen nicht. Insbesondere achte ich darauf, dass meine Fliegen

  1. größentreu sind, d.h. die Größe der Fliegen sollte dem imitierten Insekt entsprechen;
  2. formtreu sind, d.h. die Körperform und das Verhältnis von Körper, Flügeln und Schwänzchen sollte so gebunden werden, dass sie dem imitierten Insekt möglichst ähnlich ist;
  3. mit spärlichen Flügel, Schwingen, Schwänzchen gebunden sind, so dass diese vom Hakenschenkel abstehenden Materialien vom Licht durchflutet werden können;
  4. farbentreu sind, d.h. der Farbton in etwa dem des imitierten Insekten ähnlich ist.

Die Reihenfolge von 1) bis 4) spiegelt auch der Wichtigkeit wieder, die ich der Eigenschaft einer Fliege beimesse.

Allgemeine Bindetipps

Die Fliege sollte aus hochwertigen Materialien bestehen und haltbar gebunden werden. Es ist ärgerlich, wenn sich regelmäßig der Haken verbiegt, das Bindematerial zerfällt oder sich vom Haken löst. Die Einsparung, die man durch die Wahl minderwertigen Materials zu haben glaubte, wird durch den verhältnismäßig hohen Verbrauch von Fliegen wieder aufgehoben. Durch ein paar einfache Bindetricks lassen sich Fliegen wesentlich haltbarer und formtreuer machen:

  • Hochfestes Bindegarn verwenden.
  • Den Körper der Fliegen immer mit einem Faden / Draht rippen (rippen = spiralförmiges Umwinden). Das verleiht speziell Dubbingkörpern eine sehr lange Lebensdauer.
  • gepalmerte Fliegen unbedingt mit Bindegarn o.ä. gegenrippen, so dass das Bindegarn den Kiel der Hechel kreuzt und den Kiel damit am Körper fixiert.
  • Von ein und derselben Fliege mehrere Muster nacheinander Binden, bevor ein anderes Muster angefangen wird. Durch die wiederholten Bindeschritte prägen sich die Bindebewegungen besser ein.

Fliegen sollten grundsätzlich sparsam und spärlich gebunden sein (kein “Overdessing”). Zum einen erhöht es den Imitationswert jeder Fliege enorm,  weil dadurch wenig Licht absorbiert und zum anderen geringerer Luftwiderstand beim Werfen verursacht wird, was zu Verdrallungen führen kann.

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Trockenfliege

Das Binden einer Trockenfliege stellt die i.d.R. höchsten Anforderungen an die Bindefertigkeiten, weil siehäufig auf sehr kleine Hacken gebunden werden (z.B. Gr. 24 für Ameisenimitation). Ich rate zur sparsamer Verwendung der Materialien, die aber gute Schwimmeigenschaften besitzen sollten. Mir sind viele Fliegenfischer bekannt, die bei Ihrer Wahl der Trockenfliege nur noch auf einige wenige Standardmuster zurückgreifen und damit großen Erfolg haben. Auch ich komme mehr und mehr zur Einsicht, dass zu viele Fliegenmuster eher verwirren als die Fangchancen erhöhen. Deshalb empfehle ich:

1.    Drei Grundmuster reichen in unseren Breiten völlig aus. Das sind

  • die Eintagsfliege (Ephemeren), die mit Hechelkranz, ggf. mit aufgerichteten Flügelchen und Schwänzchen gebunden werden.
  • die Köcherfliege (Trichopteren), die mit nach hinten angelegten Flügelchen und ohne Schwänzchen gebunden wird. Diese imitiert auch die seltener vorkommenden Steinfliegen (Plecopteren) ganz gut.
  • Der Aufsteiger

2.    Die Grundmuster in verschiedenen Größen und Formen vorhalten. Oft steigen die Fische nur nach Fliegen einer bestimmten Größe.

Dem Bindeanfänger gebe ich folgende Tipps:

  • Mit größeren Trockenfliegen beginnen (Maifliegen).
  • Von Anfang an genügend Platz für den Kopf der Fliege einplanen (ein häufiger Fehler bei Anfängern ist, dass der Kopf der Fliege zu klein bemessen wird; für den Abschlussknoten besteht dann kein Raum mehr vor dem Hackenöhr).

Der Aufsteiger / Emerger

Eine besondere Art der Trockenfliege ist der Aufsteiger, auch Emerger genannt. Aufsteiger sind Larven, die sich an die Wasseroberfläche treiben lassen, um dort zum flugfertigen Insekt zu werden. Während dieser Metamorphose treiben die Larven regungslos im Wasserfilm und sind eine beliebte Beute von Forellen und Äschen. Es gibt Situationen am Wasser, bei denen die Fische Ausschließlich Aufsteiger nehmen. Deshalb sollte jeder Fliegenfischer immer einige Aufsteiger bei sich tragen.

Als Aufsteiger fische ich überwiegend sehr einfache Fliegen in Nymphenform, die eine Styroporkugel am Kopf haben. Die Styroporkugel wird mit einem Stück vom Nylonstrumpf fest umschlossen und der Strumpfhals am vorderen Drittel des Hakens festgebunden.

Das Bild zeigt einen Aufsteiger (Emerger). die Styroporkugel ist mit einem Nylonstrumpf am Kopf des Hakens befestigt

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Bindeschritte einer einfachen Trockenfliege

Speziell für die Bindeweise von Trockenfliegen kann ich folgende Tipps weitergeben:

  • Am Ende des Hakenschenkels mit dem Bindefaden eine Wulst / Knäuel erzeugen und anschließend die Federkiele für das Schwänzchen einbinden. Die Federkiele liegen dann auf der Wulst auf und werden dadurch leicht angehoben und gleichzeitig etwas gespreizt.
  • Der Körper der Trockenfliegen grundsätzlich so gestalten, dass er zum Schwänzchen hin dünner wird.

Die folgenden Bindschritte einer klassischen Trockenfliegen (Ephemere) sollen das Vorstehende verdeutlichen:

binden trockenfliege

Bildbeschreibungen (in Leserichtung):

Bild 1: Anwinden des Bindefadens  und diesen nach hinten führen Bild 2: Wulst am Ende des Hakenschenkels erzeugen. Bild 3: Schwänzchen so einbinden, dass die Wulst die Grannen spreizt und Bindefaden in das erste Drittel des Hakenschenkels führen. Bild 4: Dubbingmaterial um den Bindefaden spinnen und nach hinten führen. Auf die abnehmende Körperdurchmesser achten. Bild 5: Mit dem Bindefaden den gedubbten Körper ribben (spiralförmig umwinden. Das Körpermaterial hält so wesentlich besser am Haken). Hahnenfeder festlegen. Bild 6: Hahnenfeder ca. 4-5 Mal um den Hakenschenkel winden Bild 7: Hahnenfeder abbinden. Mit dem Bindefaden den Kopf der Fliege formen und mit (mehreren) Endknoten abschließen.

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Die Nassfliege

Die Beschwerung von Nassfliegen

Fliegenfischen ist dem Bedürfnis entstanden, mit quasi gewichtslosen Ködern Fische fangen zu können. Entsprechend ist auch das Gerät entwickelt worden. Es gibt viele Situationen am Fischwasser, bei denen nur eine tiefgehende Fliege einen Anbiss bringt. Um auf die Tiefe zu kommen, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  1. die Fliege wird beschwert
  2. eine Sink(-tipp) – Wurfschnur wird verwendet oder ein Bleischrot am Vorfach befestigt.

Ich ziehe beide Möglichkeiten in Betracht. Die Beschwerung meiner Nassfliegen ist aber immer nur so groß, dass sich diese komfortabel werfen lassen: denn je stärker eine Nassfliege beschwert ist, desto größer wird beim Wurf die Zentrifugalkraft am Ende des Vorfachs, d.h. die Fliege beschreibt zwangsläufig einen großen Bogen. Das führt nicht selten zu Hängern im Gras oder in Ästen oder gar in der Kleidung des Werfers. Die Bedeutung der Wurfschnur als Wurfgewicht tritt bei schweren Nassfliegen in den Hintergrund, so dass sie an einer leichten Spinnrute besser aufgehoben wären (spätestens ab hier ist das Fischen für mich kein Fliegenfischen mehr !). Stark beschwerte Fliegen haben darüber hinaus noch den Nachteil, dass sie ihre lebendigen Schwebe- und Bewegungseigenschaften im Wasser verlieren und damit auch einen der wichtigsten Vorteile der Fliege gegenüber eigenschweren Kunstködern. Als Faustformel für die maximale Eigenschwere von Fliegen empfehle ich:

=> max. Fliegeneigengewicht [Gramm] ~ 1/25 des Wurfschnurgewichtes der ersten 9,14 m (entspricht ungefähr der Schnurklasse[AFTMA]²/75 )

Beispiel: Schnurklasse = AFTMA 5. Dann ergibt sich eine von mir empfohlene maximale Eigenschwere der Fliege von 5²/75 ~ 0.35 Gramm (das Gewicht entspricht Tungstenperlen mit einem Durchmesser von 3,3 mm). Wenn ich sehr tief fischen möchte, verwende ich Sink-Wurfschnüre – oder noch besser das Birnchen- in Kombination  mit leicht beschwerten Fliegen.Für die Beschwerung der Fliege benutze ich in den meisten Fällen Bleidraht. Diesen wickele ich ausschließlich um den vorderen Drittel des Hakenschenkels. Dadurch wird die Masse des Hakenbogens, welche die Fliege im Wasser oft kopfhoch stehen lässt, ausgeglichen. Bei dieser Art der Beschwerung steht die Fliege gerade bzw. etwas kopflastig, was für die Bewegung der Nassfliege – insbesondere des Streamers – von Vorteil ist.

Bindeschritte einer einfachen Nassfliege

Speziell für die Bindeweise von Nassfliegen kann ich folgende Tipps empfehlen:

  • Für die (Rücken-) Schwingen, die länger als der Hackenschenkel sind, steiferes Material verwenden (bei weichem Material wickelt sich die lange Schwinge häufig um dem Hackenbogen).
  • Ein weicher Fliegenschwanz (z.B. Marabou, Kaninchen usw) kann sich insbesondere bei Leerwürfen um den Hakenbogen wickeln. Dies verhindert eine Schlaufe aus Nylon, die auf dem Hakenschenkel eingebunden wird und über den Hakenbogen hinausragt (wirkt als”Verlängerung” des Hackenschenkels). Das weiche Material wird dann oberhalb der Schlaufe eingebunden und kann sich nun nicht mehr so leicht um den Hakenbogen wickeln. Sehr effektiv bei Wooly Bugger.

Die folgenden Bindeschritte einer Meerforellenfliege sollen das Vorstehende verdeutlichen:

binden nassfliege

Bildbeschreibungen (in Leserichtung):

Bild 1: Anwinden des Bindefadens und des Bleidrahtes. Der Bleidraht sollte unterhalt des Hakenschenkels angebunden werden (bessere Lage des Schwerpunktes). Bild 2: den Bleidraht um das Teilstück winden, an welches der Bleidraht zuvor angebunden wurde. Oberhalb des Hakenschenkels eine Schlaufe aus Nylon (Nylonstärke um die 0,50 mm) anbinden, die über den Hakenbogen hinausragt. Bild 3: Schwanz aus weichen (Marabou-) Federn einbinden. Die Nylonschlaufe verhindert später beim Fischen, dass sich die weichen Federn um den Hakenbogen wickeln. Bild 4: weiche Hennenfeder und Rippungsfaden (-draht) am Ende des Hakenschenkels einbinden. Bild 5: Dubbing um den Bindefaden spinnen und nach vorne winden. Bild 6: Hennenfeder nach vorne winden, abbinden und mit dem Rippungsfaden an den Hackenschenkel fixieren (Rippungsfaden im entgegengesetzten Drehsinn zur Hennenfeder um den Hakenschenkel winden, so dass dieser den Kiel der Hennenfeder kreuzt !). Bild 7: Schwinge (hier: Krickente) einbinden. Bild 8: über das Hakenöhr stehende Federn der Schwinge abschneiden, Endknoten am Kopf fertigen. Kopf mit Nagellack sichern.

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Tubenfliegen

Seit ich die ersten Tubenfliegen gebunden und gefischt habe, gehören diese Fliegen zu meinem festen Bestand. Ich binde nicht nur Lachsfliegen auf die Tube, sondern auch Raubfischfliegen (Hecht, Barsch usw.). Je größer das Fliegenmuster ist, desto größer werden die Vorteile der Tubenfliege gegenüber der klassischen, auf den Hakenschenkel gebundenen Fliege:

  1. Es können sehr lange und weiche Rückenschwingen verwendet werden, ohne dass sich diese beim Werfen um die Hakenbogen winden.
  2. Der Hebelarm des Hakenschenkels entfällt und damit sinkt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass sich ein Fisch den Haken aushebeln kann.
  3. Der Haken der Tubenfliege kann ausgetauscht werden

Für das Binden wird ein Tubenadapter benötigt, welcher in den normalen Bindestock eingespannt werden kann. Die Bindeweise ist nahezu identisch mit der einer klassischen Nassfliege.

Fertige Tuben sind nicht ganz billig. Ein Besuch im Bastlerladen kann den Geldbeutel erheblich schonen, wenn man biegsame (aber nicht weiche) Kunststoffröhrchen mit passenden Durchmessern findet.

 

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Bitte ohne Widerhaken !

Eine schöne Sache an unserer Passion ist die Fairness gegenüber der Kreatur Fisch. Dazu gehört auch, dass wir nach dem Fang die Option haben, den Fisch wieder in sein Element zurück zu setzen. Bedingung für ein erfolgversprechendes Zurücksetzen ist aber, dass der Fisch unverletzt ist. Hier bringt das Fliegenfischen optimale Voraussetzungen mit, weil die Fliege fast immer im vorderen Maulbereich des Fisches sitzt. Die widerhakenlose Fliegen reduziert die Verletzungsgefahr des Fisches weiter.

In der letzten Zeit wird wieder vermehr über Sinn und Unsinn von Widerhaken geredet (s. FLIEGENFISCHEN 4 – 6 2003). Für mich steht fest: Grundsätzlich ohne Widerhaken ! Für mich ist der Widerhaken an all den Gewässern tabu, an denen regelmäßig untermaßige Fische zu erwarten sind ! Es ist kein Aufwand, den Widerhaken mit einer Zange, die jeder Fliegenfischer am Wasser bei sich haben sollte, anzudrücken. Mit Widerhaken fische ich nur, wenn ich bewusst auf “Beute” aus bin und weit überwiegend mit maßigen Fischen zu rechnen ist (z.B. beim Lachsfischen oder am Forellenteich).

Bindevideos

hier noch einige schöne Bindevideos von Trockenfliegen …

  

 

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