Archive for the ‘Kolumnen’ Category

Biegung der Fliegenrute und Rotation

Samstag, März 18th, 2017

In Fliegenfischer- Foren lese ich häufig folgende Aussage:” Wir rotieren die Fliegenrute und als unausweichliche Konsequenz biegt sie sich durch” (oder kürzlich erst wieder: “Die Rutenbiegung ist die Konsequenz unseres wesentlichen Anliegens diese zu rotieren”).

Eine solche Aussage lässt mich unzufrieden zurück. Einerseits stimme ich absolut zu, dass die Rotation unerlässlich ist, um eine passende Schnurgeschwindigkeit zu erzeugen, die unsere Fliege in das Ziel bringt. Andererseits vermisse ich aber etwas. Diese Aussage empfinde ich irgendwie als unvollständig, weil bei dieser Betrachtung die Biegung als eine Art Nebenprodukt der Rotation aufgefasst wird, reduziert auf geometrische Vorteile – insbesondere dass die Biegung die Spitze unserer Fliegenrute auf einer geraden Bahn führt.

Seit meiner “Experimentellen Untersuchungen zur Biegung der Fliegenrute” kann ich aber klar sagen, was ich vermisse: die Bedeutung, welche die Biegung bezüglich der Effizienz (Verhältnis aus gewonnener zu eingetragener Energie) spielen kann.

Eine der Feststellungen meiner Untersuchungen besagt eindeutig, dass die flexible Fliegenrute eine erheblich bessere Energieübertragung von Griff zu ihrer Spitze hin ermöglicht. Im Vergleich zu einer absolut starren Fliegenrute – welche im Wesentlichen auf der Grundlage von Translation und Rotation die Hebelwirkung zur Verfügung stellt – besitzt die flexible Fliegenrute zwei weitere Eigenschaften der Energieübertragung: 1.) das Zwischenspeichern von Energie (Federenergie, die “Rutenladung”) ebenso wie 2.) die Umverteilung des Drehimpulses (zusammen mit der Änderung des Trägheitsmomentes – nachzulesen in Abschnitt F1 und Anhang 2 meiner Untersuchungen). Diese beiden weiteren Eigenschaften der Energieübertragung wirken zusammen und ermöglichen es dem Werfer eine passende Schnurgeschwindigkeit mit weniger Aufwand zu erzeugen – wenn er die Fliegenrute in geeigneter Weise biegt ! Selbst wenn die absolut starre und die flexible Fliegenrute masselos sein könnten – so wie ich es in meiner Arbeit untersucht habe – besitzt die flexible Fliegenrute eine erheblich bessere Eigenschaften bei der Energieübertragung als die starre.

Was folgt aus dieser Einsicht ? Die Rotation in Verbindung mit einer kontrollierten Biegung und kontrollierten Gegenbiegung (geminderte Gegenbiegung) ist der Schlüssel für einen effizienten, kraftminimierten Fliegenwurf ! Hinsichtlich der Effizienz ist eine genauere Betrachtung WIE die Biegung erzeugt wird wichtig anstelle DASS die Biegung irgendwie Konsequenz der Rotation ist. Die Rotation ist unerlässlich dafür und sie ist immer in einer Weise effektiv (“das Ziel ist alles”) –  aber ohne geeignete Biegung ist die Rotation nicht effizient !

Ich habe einige Videos erstellt um zu verdeutlichen, was ich meine.

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Geschwindigkeiten der Massenelemente der Fliegenrute

Donnerstag, Februar 23rd, 2017

In Ergänzung zu meiner Arbeit “Experimentelle Untersuchungen zur Biegung der Fliegenrute” habe ich mir die Geschwindigkeitsverteilungen der Massenelemente der Fliegenrute genauer angeschaut. Über die Dauer des Wurfes wird deutlich, dass aufgrund der Biegung die Geschwindigkeiten dieser Elemente zueinander erheblich variieren. Während sich zu Beginn des Wurfes die höchste Geschwindigkeit in den mittleren Massenelementen befindet, besitzen zum Ende des Wurfes die oberen Massenelemente die höchste Geschwindigkeit. Die höchste Geschwindigkeit verschiebt sich zur Spitze der Fliegenrute hin. Ein weitere klarer Hinweis für die (“komplexen”) Umverteilungsprozesse in der Fliegenrute.

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Kritiken an den Vorzügen flexibler Fliegenruten

Donnerstag, November 13th, 2014

Im Folgenden gehe ich auf die kritischen Anmerkungen ein, wie sie seit der Erstveröffentlichung meiner „Experimentellen Untersuchungen zur Biegung der Fliegenrute“ (in welchen ich eine flexiblen Fliegenrute mit einer absolut steifen vergleiche) im Februar 2014 geäußert wurden. In der Revision 2.0 meiner Untersuchungen, die ich im November 2014 veröffentlicht habe, sind die kritischen Anmerkungen mit eingeflossen. Meine Verweise beziehen sich auf die Revision 2.0. Ich nehme gerne vorweg, dass die kritischen Anmerkungen die Feststellungen meiner Untersuchungen nicht in Frage stellen können.

Kritik: „Die Masse der Fliegenruten wurde nicht mit berücksichtigt. Bei Berücksichtigung der Masse würde sich der Effizienzunterschied beider Ruten deutlich zu Ungunsten der flexiblen Fliegenrute ändern“

Die Annahme masseloser Fliegenruten ist unstrittig die Randbedingung gewesen, welche den größten Einfluss auf die Ergebnisse meiner Untersuchungen haben konnte (siehe Abschnitt A). Sie ist dem Anspruch geschuldet, die Berechnungen möglichst einfach zu halten, um einen größeren Leserkreis zu erreichen.

Da die Masse der Fliegenrute deutlich höher als die Masse der Schnur ist, muss der Werfer auch die meiste Energie in die Beschleunigung und das Abbremsen der Masse der Fliegenrute investieren. Allerdings zeigt meine Berechnung im Anhang 2 auch ganz klar, dass dieser Einfluss den Effizienzunterschied nur geringfügig beeinflusst. Auch braucht die starre Fliegenrute zur Herstellung der Steifigkeit in der Praxis erheblich mehr Masse im oberen Teil (zur Spitze hin), was sich nochmals deutlich negativ auf den Aufwand des Werfers auswirkt. Der von mir berechnete Effizienzunterschied (siehe Abschnitt E) von ~2 liegt tatsächlich im Bereich des Möglichen.

Kritik: „Die Fliegenrute braucht nicht auf die Schnurklasse abgestimmt zu sein. Eine 5er Schnur kann mit einer steifen Tarpon- Fliegenrute weiter als mit einer auf die Schnurklasse abgestimmten Fliegenrute geworfen werden“

Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass die Tarpon- Fliegenrute die Schnur weiter als die auf die Schnur abgestimmte Fliegenrute werfen kann. Allerdings hat dies allein noch nichts mit Effizienz zu tun, weil dafür auch auf den Aufwand des Werfers geschaut werden muss („Input“). Genau das ist die Schwachstelle dieser Argumentation, denn es wird nur auf das Ergebnis geschaut und nicht auf den Aufwand, der für das Erreichen des Ergebnisses erforderlich ist. Dass der Aufwand bei der Tarpon- Fliegenrute grundsätzlich höher als bei der abgestimmten Fliegenrute sein muss, geht aus meinen weiteren Antworten hervor.

Kritik: „Die Drehimpulserhaltung wirkt nur im geschlossenen Energiesystem. Da die Fliegenrute ein offenes Energiesystem darstellt, kann der Drehimpuls keinen großen Effekt besitzen“

Das ist so nicht richtig. Richtig daran ist, dass die Wirkung des Drehimpulses gerne am geschlossenen Energiesystem gezeigt wird, weil er hier am deutlichsten erkennbar ist. Diese Kritik hat Dr. Schmitt im Anhang 3 klar widerlegt (vgl. auch „Pirouette“ und „Talerschwingen“) ! Entscheidend ist, dass durch die Verschiebung des Drehpunktes in Richtung der Spitze der momentane Drehimpuls nicht abnehmen kann und dem System erhalten bleiben muss – auch wenn während dessen Energie zugeführt wird. Es kann auch von einer Umverteilung des Drehimpulses gesprochen werden. Wie auch immer, der Drehimpuls kann ebenso in einem offenen Energiesystem, wie es die Fliegenrute darstellt, seine positiven Effekte einbringen.

Kritik: „Über den Weg der Rückstellung / Entladung der Fliegenrute bremst der Drehimpuls die Geschwindigkeit der Spitze ab, so dass über den gesamten Wurf betrachtet kein positiver Effekt aus der Drehimpulserhaltung bestehen bleibt.“

Die Wirkung der Drehimpulserhaltung kann z.B. beim Eiskunstläufer beobachtet werden, der eine Pirouette dreht. Indem er seine Arme heranzieht, verkürzt er den Radius seiner rotierenden Körpermasse zur Rotationsachse und seine Rotationsgeschwindigkeit nimmt deutlich zu. Streckt er seine Arme wieder aus, bremst er die Rotationsgeschwindigkeit seiner Pirouette wieder ab.

Auf den Fliegenwurf übertragen bedeutet dies, dass durch die Erhaltung des Drehimpulses die Spitze der Fliegenrute solange eine zusätzliche Rotationsgeschwindigkeit erfährt, wie ihre Biegung gesteigert wird. Nimmt ihre Biegung wieder ab, dann erfährt die Spitze der Fliegenrute durch den Drehimpuls ein Abbremsen. Dieser Zusammenhang wird in der Skizze XIII anhand der Verschiebung des Drehpunktes der rotierenden Masse dargestellt.

Allerdings kann dieses über den Weg der Rückstellung einsetzende Abbremsen der Rutenspitze die positive Wirkung aus der Erhaltung des Drehimpulses, der für eine deutlich bessere Energieübertragung sorgt, insgesamt nicht aufheben.  Zum einen besitzt die Rutenspitze samt der Fliegenschnur zum Zeitpunkt, wenn der Drehimpuls die Spitze der Fliegenrute abzubremsen beginnt, bereits um die 80 % ihrer Endgeschwindigkeit, d.h. die positiven Effekte der Drehimpulserhaltung sind für den Aufbau der Geschwindigkeit größtenteils genutzt worden. Zum anderen verhindert die einsetzende Umwandlung der in der Fliegenrute gespeicherten potentiellen Energie in kinetische, dass die Geschwindigkeit der Spitze sofort abnimmt. Beides zusammen bewirkt, dass über den gesamten Wurf die deutlichen Vorteile aus der Drehimpulserhaltung bestehen bleiben. Dies spiegelt sich in der deutlich besseren Effizienz der flexiblen Fliegenrute nieder.

Kritik: „Der Fliegenwurf und der Peitscheneffekt haben keine Gemeinsamkeiten.“

Im Anhang 3 erläutert Dr. Schmitt die Wirkung der Drehimpulserhaltung, indem er auf Gemeinsamkeiten zwischen der gebogenen Fliegenrute und einer Peitsche hinweist, wie sie für meinen untersuchten Wurf bestehen.

Bei der Peitsche verlagert sich der Drehpunkt der rotierenden Masse in die Schlaufe, welche sich kurz nach dem Schlag ausbildet und bis zum hörbaren Knall immer schneller wird. Ähnlich wie bei der Peitsche verlagert bzw. verschiebt sich auch bei der Fliegenrute der Drehpunkt der rotierenden Masse zunächst in die „Schlaufe“, welche im Bereich ihrer größten Biegung zu finden ist. Im Unterschied zur Peitsche kann sich aber der Drehpunkt der rotierenden Masse nicht vollständig in die Spitze der Fliegenrute verlagern (weil sich das Spitzensegment nicht so stark durchbiegen kann, wie es dafür erforderlich wäre), sondern bewegt sich über den Weg der Rückstellung / Entladung zurück in den Griff. Deshalb strebt die Geschwindigkeit ihrer Spitze, anders als das Seilende der Peitsche nicht „gegen unendlich“, sondern nimmt um einen endlichen Wert zu. Allerdings kann die flexible Fliegenrute die für die Energieübertragung bestehenden positiven Eigenschaften der Peitsche anteilig nutzen. Aufgrund der fehlenden Biegung kann die  absolut steife Fliegenrute diese positiven Effekte bei der Energieübertragung überhaupt nicht nutzen.

Es gibt es also ganz offensichtlich Gemeinsamkeiten zwischen der Wirkungsweise einer Peitsche und meinem untersuchten Wurf. Dieser Vergleich erklärt auch, warum der Drehpunkt der rotierenden Masse den Griff der flexiblen Fliegenrute verlassen kann (siehe Abschnitt F1 und Skizze XIII) und warum die Effizienz auch von der Form der sich ausbildenden Biegung abhängt (siehe Abschnitt E4).

Kritik: „Wird die Spitze der starren Fliegenrute auf einer Geraden geführt, wird sie viel effizienter“

Das ist so nicht richtig. Richtig daran ist, dass die horizontale Geschwindigkeit ihrer Spitze zunimmt. Allerdings entsteht gleichzeitig ein deutlich höherer Aufwand. Im Anhang 1 habe ich eine Vergleichsrechnung für diesen Fall angestellt, die diese Kritik klar widerlegt.

Die starre Fliegenrute funktioniert ähnlich einer Pleuelstange. Die Pleuelstange kann die im einen Ende (z.B. Griff) eingegebene Energie in das andere Ende (z.B. Spitze) nur „eins zu eins“ übertragen. Daher ist es völlig unerheblich, auf welchen Weg / Winkel / Länge / Geschwindigkeit usw. sie bewegt wird. Im Fall der Masselosigkeit erreicht sie keine signifikante Effizienz über 1,0 hinaus (siehe Abschnitt F3). Hingegen kann die flexible Fliegenrute die Energie deutlich besser übertragen, weil sie mit Hilfe des Drehimpulses kinetische Energie in die Spitze konzentrieren / bündeln / „pumpen“ kann. Im Falle der Masselosigkeit kann die flexible Fliegenrute die Effizienz sehr deutlich über 1,0 heben ! Der Effizienzunterschied ist auch physikalisch belegt. Hingegen sind mir bis heute keine physikalischen Effekte benannt worden, welche der starren Fliegenrute bei der Energieübertragung helfen könnten.

Auch muss der Werfer der starren Fliegenrute eine vertikale Ausgleichsbewegung (Hub) im Griff ausführen, wenn er die Spitze auf einer Geraden führen will (vgl. Skizze XVI). Je länger die starre Fliegenrute und desto größer der Rotationswinkel wird, desto mehr schränkt ihn diese vertikale Ausgleichsbewegung ein. Insbesondere muss er auf die Vorteile der Rotation zunehmend verzichten, je länger die starre Fliegenrute wird. Eine starre Zweihandrute gewöhnlicher Länge wird in der Praxis nicht mehr effektiv geworfen werden können.

Sobald die starre Fliegenrute rotiert wird, kann sie einen ganz entscheidenden Nachteil nicht überwinden: den vertikalen Bewegungsanteil ! Erfolgt im Rutengriff eine reine Rotationsbewegung (wie meinen Untersuchungen zugrunde gelegt), so muss die Rutenspitze mit einer konvexen Bewegung vom geraden Weg abweichen („Scheibenwischer“ – vertikaler Bewegungsanteil liegt in der Spitze). Wird hingegen ihre Rutenspitze auf einem geraden Weg geführt, so muss eine vertikale Ausgleichsbewegung (Hubbewegung) im Griff erfolgen (vgl. Skizze XVI). Beide vertikale Bewegungsanteile verringern die Effizienz der absolut steifen Fliegenrute ! Mit der flexiblen Fliegenrute kann hingegen die nachteilige vertikale Bewegung nahezu gänzlich vermieden werden, wodurch sich der Aufwand des Werfers deutlich reduzieren lässt.

Kritik: „Die starre Fliegenrute wird intuitiv mit einem Bewegungsablauf geworfen, der für sie das beste Wurfergebnis erzielt. Der Bewegungsablauf, den ich der starren Fliegenrute in meinen Untersuchungen vorgebe, ist für sie nicht optimal“

Das ist richtig. Mit der starren Fliegenruten können grundsätzlich sehr enge Schlaufen geworfen werden und der Werfer wird sich automatisch auf einen Bewegungsablauf einstellen, der für die starre Fliegenrute der beste ist. Allerdings wird dieser für die starre Fliegenrute „optimierte“ Bewegungsablauf die Energieübertragung nicht steigern können ! Die starre Fliegenrute besitzt keinen Bewegungsablauf, mit welchem sie die Energie besser als die flexible Fliegenrute vom Griff zur Spitze hin übertragen könnte (siehe mein Vergleich mit der Pleuelstange im Abschnitt F3). Wird also jede Fliegenrute mit einem für sie optimalen Bewegungsablauf geworfen, wird die starre Fliegenrute nie eine bessere Energieübertragung (Effizienz) als die flexiblen Fliegenrute erreichen können.

Ich will nicht in Abrede stellen, dass die Form der Schlaufe sehr wohl von einem „optimierten“ Bewegungsablauf profitieren kann – nur müssen dafür im Vergleich zur flexiblen Fliegenrute ein höherer Aufwand und weitere, gravierende Nachteile in Kauf genommen werden (z.B. sehr hohe Bremskraft, disharmonischer Kraftaufwand, vertikale Ausgleichbewegung, begrenzter Rotationsanteil usw.). Im Sinne einer “Kosten / Nutzen Analyse” wird die starre Fliegenrute nie die Werte einer flexiblen Fliegenrute erreichen können !

Wichtig ist auch hervorzuheben, dass die Effizienz der flexiblen Fliegenrute stark mit ihrer Biegung variiert. Bei kurzen Distanzen wird sich zwischen beiden Fliegenruten keinen großer Effizienzunterschied ergeben können.

Kritik: „Durch das flexible Verhalten kann die Fliegenrute die potentielle Energie nicht vollständig auf die Schnur übertragen und die Schlaufe öffnet sich“

Das ist erstmal richtig. Hier gehen Experten davon aus, dass die flexible Fliegenrute bis zu 1/3 ihrer potentiellen Energie nicht auf die Fliegenschnur übertragen kann. Allerdings wird dabei gerne übersehen, dass der viel größere Anteil der kinetischen Energie vollständig übertragen wird ! Da der Anteil der Potentiellen Energie an der gesamten Energie in etwa 1/4 ausmacht, ist der Verlust gering. Er beträgt in etwa 1/3 * 1/4 = 0,083 ~ 8% und liegt auch bei kleineren Biegungen deutlich unter 10%. Angesichts der vielen Vorteile der flexiblen Fliegenrute eine vernachlässigbare Größe.

Durch das Überschwingen der Rutenspitze öffnet sich die Schlaufe zum Beginn des Ausrollens zwangsläufig etwas. Allerdings wird der positive Effekt des Überschwingens gerne übersehen: denn dieser dämpft die flexible Fliegenrute deutlich, so dass der Werfer weniger Kraft für das Abbremsen aufwenden muss. Dieser Punkt wird von mir noch genauer untersucht werden, weil hier vermutlich ein weiterer, deutlicher Vorteil der flexiblen Fliegenrute zu finden ist. Unstrittig ist aber, das der starren Fliegenrute das Dämpfungsverhalten völlig fehlt. Deshalb muss der Werfer der starren Fliegenrute für das Anfahren und Abbremsen ihrer Masse einen hohen Kraftimpuls aufbringen (disharmonisches Verhalten). Aus dem umgestellten Arbeitssatz „Kraft = Arbeit (Energie) / Weg (Winkel)“ geht insbesondere für die Bremskraft klar hervor, dass der Kraftimpuls umso größer wird, desto kleiner der Bremsweg / -winkel ist. Dieser Kraftimpuls strebt sogar „gegen unendlich“, wenn der Bremsweg zu Null wird (also abruptes Stoppen). Aus diesem Grunde berichten Werfer von starren Fliegenrute vom „schmerzenden Unterarm“ (siehe Abschnitt F4). Sie gehen also auch noch gesundheitliche Risiken ein, wie ich auch in Anhang 2 darlege !

Der Werfer der flexiblen Fliegenrute muss keine abrupten Kraftimpulse aufbringen. Die potentiellen Spannkräfte ermöglichen ihm ein kontinuierliches auf- und abbauen seines Kraftaufwands (harmonisches Verhalten).

Im Übrigen kenne ich einige Spitzenwerfer, die trotz hoher Biegung mit der flexiblen Fliegenrute sehr enge Schlaufen werfen können. Sie haben gelernt die flexible Fliegenrute optimal zu dämpfen. Die enge Schlaufe ist also kein Vorrecht der starren Fliegenrute ! Und diese enge Schlaufe ist mit deutlich weniger Aufwand und keinem „schmerzendem Unterarm“ verbunden !

Kritik: „Die Biegung der Fliegenrute wird nicht bis zum Beginn der Rückstellung / Entladung gesteigert“

Diese Auffassung mag für andere Würfe stimmen, jedoch trifft sie für meinen untersuchten Wurf nicht zu. Diesen Einwand habe ich mal auf Vimeo.com gesehen, wurde aber unmittelbar nach der Veröffentlichung der Erstversion meiner Untersuchungen gelöscht. Es war zu offensichtlich, dass diese Auffassung im Allgemeinen nicht stimmte.

Kritik: „Den Zeitpunkt des ‚Stopps’ gibt es nicht, eine klare Trennung zwischen Ladung und Entladung der Fliegenrute kann nicht getroffen werden. Es sollte von einem ‚Prozess des Stoppens’ gesprochen werden.“

Dies will ich grundsätzlich nicht in Abrede stellen. Allerdings ist diese Trennung bei meinem untersuchten Wurf gut möglich, weil eben die Biegung der Fliegenrute eindeutig bis zum Beginn der Rückstellung / Entladung gesteigert wird. Genau diese Steigerung bis kurz vor Beginn der Rückstellung / Entladung bringt den „Kick“ für die Rutenspitze, der die Effizienz nochmals deutlich erhöhen kann (siehe Abschnitte D1 und F1).

Kritik: „Meine Berechnungen und Annahmen sind viel zu einfach, weshalb sie den wirklichen Ablauf des komplexen Fliegenwurfes nicht wiedergeben können“

Auch komplexere Untersuchungen müssen Randbedingungen und Annahmen treffen, um den Fliegenwurf physikalisch beschreiben zu können. Eine komplexere Untersuchung ist beispielsweise die Modellierung des Fliegenwurfes mit einem eindimensionalen, getriebenen harmonischen Oszillator. Allerdings kommt dieses Modell nicht ohne Differentialgleichungen aus und es gibt nur einen kleinen Kreis von Leuten mit vertieften wissenschaftlichen Kenntnissen, die diese Berechnungen anstellen und nachvollziehen könnten. Weil ich mit meinen Untersuchungen einen möglichst großen Leserkreis erreichen möchte und deshalb gut nachvollziehbare Berechnungsschritte brauchte, war dieses Modell keine Option für mich – ganz abgesehen davon, dass ich mich auch zuerst mit Differenzialgleichungen hätte vertieft beschäftigen müssen. Dass auch Dr. Schmitt als Physiker meinen Ansatz teilt, gibt sein Vorwort zu meiner Revision 2.0 sehr schön wieder.

Die Lösungen von Differenzialgleichungen hängen sehr von den getroffenen Randbedingungen ab, so dass eine Berechnung mit einem solchen Modell nicht zwangsläufig zu genaueren Ergebnissen führt. Mir ist aber bekannt, dass ein solches Modell – selbst unter Annahme geringerer Biegungen als in meiner Wurfsequenz und eindimensionaler Gleichungen – für die flexible Fliegenrute eine deutlich höhere Effizienz als der starren Fliegenrute berechnet. Demnach werden meine Ergebnisse von diesem Modell im Grunde bestätigt.

Darüber hinaus schätze ich in meinen Untersuchungen immer wieder mögliche Ungenauigkeiten und Näherungen ab, die sich aus meinen getroffenen Randbedingungen ergeben. Dass die getroffene Randbedingung der masselosen Fliegenruten, welche den größten Einfluss auf meine Ergebnisse haben könnte, tatsächlich nur geringfügige Auswirkungen hat, habe ich in der Anlage 2 dargelegt. Da meine Ergebnisse schlüssig sind und sie physikalisch bewiesen werden können, halte ich diese Kritik insgesamt für nicht zutreffend.

Kritik: „Die Bedeutung der Rutenladung wird für den Fliegenwurf vollkommen überschätzt“

Dies ist eine der am längsten verbreiteten Kritiken. Richtig daran ist, dass die „Rutenladung“ im Sinne der zwischengespeicherten, potentiellen Energie tatsächlich nicht die treibende Kraft beim Fliegenwurf ist. Es ist vielmehr die Drehimpulserhaltung (eine kinetische Energie), welche durch die Biegung der Fliegenrute hervorgerufen wird (siehe Abschnitt F1) ! Aus diesem Grunde verwende ich (seit meinen Untersuchungen) lieber den Begriff „Rutenbiegung“, um hier Missverständnisse zu vermeiden. Die Biegung der Fliegenrute ermöglicht eine erheblich bessere Übertragung der in den Griff eingegebenen Energie in ihre Spitze.

Allerdings deutet sich an, dass der potentiellen Energie in einem anderen Zusammenhang doch eine größere Bedeutung zukommt: denn über die Rückstellung / Entladung wandert der Drehpunkt der rotierenden Masse wieder zurück in den Rutengriff (vgl. Skizze XIII), weshalb die Geschwindigkeit der Rutenspitze wieder abnehmen müsste. Analog dem Eiskunstläufer, der seine Pirouette beendet, indem er die Arme wieder vom Körper streckt. Aber die Geschwindigkeit der Rutenspitze nimmt am Anfnag des Weges der Rückstellung / Entladung nicht ab, sondern sogar noch zu !!! Dafür muss (auch) die Umwandlung der gespeicherten potentiellen Energie in kinetische Energie verantwortlich sein – also tatsächlich die Rutenladung im Sinne der zwischengespeicherten, potentiellen Energie !

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Der Wiesenwurf von Hans Ruedi Hebeisen

Freitag, Februar 7th, 2014

Im Jahre 2010 organisierte ich einen Wurfkurs mit Hans- Ruedi Hebeisen in Berlin. Im Laufe des Wurfkurses zeigt er uns seinen „Wiesenwurf“, mit welchem er die Bedeutung der Endgeschwindigkeit demonstriert. Diese Wurfsequenz habe ich mit meiner digitalen Kamera eingefangen, die Videos mit 15 Bildern pro Sekunde aufnimmt.

Zu dieser Zeit begann mich der Zusammenhang zwischen der Rutenbiegung und der Effizienz (Verhältnis zwischen der aufgewendeten und genutzten Energie, “~Wirkungsgrad”) des Fliegenwurfes zu interessieren. Um mich diesem Zusammenhang anzunähern, habe ich die Einzelbilder seiner Wurfsequenz ausgelesen und mit einfachen Mitteln die Position der Rutenspitze Bild für Bild bestimmt und in der nachstehenden Tabelle dargestellt und ausgewertet.

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Sofort ins Auge gesprungen ist mir die sehr hohe Biegung der Fliegenrute um den Zeitpunkt des Stopps herum (vgl. Bild 7), obwohl Hans- Ruedi eine Fliegenrute mit schneller Aktion geworfen hat. Diese einfache Analyse legte die Vermutung nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen der Rutenbiegung und der großen Weite geben muss, die er mit einem offensichtlich geringem Krafteinsatz erreichte.

Doch die Vermutung allein befriedigte mich nicht. Umso mehr, als damals von einigen Fliegenfischern die Ansicht vertreten wurde, dass die Biegung der Fliegenrute für den Wurf eine untergeordnete Rolle spiele. Argumentiert wurde mit der Tatsache, dass die Spitze der Fliegenrute zu Beginn des Stopps bzw. der Rückstellung / Entladung bereits zwischen 80 und 90 % ihrer Endgeschwindigkeit besitzt und daher ihre Biegung wenig zum Wurf beitragen könne.

Im Sommer 2012 nahm meine Frau einen Leerwurf von mir auf, als wir zusammen mit unseren kleinen Töchtern an der brandenburgischen Nuthe picknickten (an diesem Tage fing ich übrigens eine prächtige Regenbogen – trotz all der Theorie darf die Praxis nicht zu kurz kommen !). Um den Einfluss der Rutenbiegung  auf den Fliegenwurf noch genauer verstehen zu können kam mir die Idee, meine Wurfsequenz – die mit 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen wurde – ebenfalls auszulesen und auszuwerten. Nach über einem Jahr Arbeit entstand schließlich mein wissenschaftlicher Aufsatz „Experimentelle Untersuchungen zur Biegung der Fliegenrute“.  Darin zeige ich physikalisch / mathematisch auf, dass es einen Zusammenhang zwischen der Biegung der Fliegenrute und der Effizienz geben muss. Damit muss auch der „Wiesenwurf“ von Hans- Ruedi Hebeisen als Sinnbild für einen effizienten Fliegenwurf angesehen werden.

Zum Schluss noch eine kleine Geschichte zum Wiesenwurf: beim Filmdreh zu “Perfektes Fliegenwerfen” 2009 haben Hans- Ruedi und ich zu diesem Wurf einige Studien ausprobiert. Bei ein paar seiner Würfe habe ich das Ende der Fliegenschnur leicht festgehalten, indem ich es an die Wiesenoberfläche drückte. Das Ergebnis davon war, dass Hans- Ruedi die Fliegenschnur genau bei den so geänderten Würfen deutlich weiter hinaus brachte. Ein anderer Grund als die höhere Rutenbiegung (und die damit verbundene höher Endgeschwindigkeit der Rutenspitze), die wegen des Festhaltens aufgebaut wird, mag mir nicht einfallen…

Experimentelle Untersuchungen zur Biegung der Fliegenrute

Montag, Februar 3rd, 2014

(english version)

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Update (November 2014) !!!

Seit der ersten Veröffentlichung meiner Untersuchungen im Februar 2014 sind bei mir neben viel Lob auch einige Kritiken eingegangen. Mit den zwei wichtigsten Kritiken, dass

a) die Spitze der absolut steifen Fliegenrute abweichend von meinen Untersuchungen auf einer geraden Bahn geführt werden könne

b) die Berücksichtigung der Masse beider Fliegenrute zu deutlich abweichenden Ergebnissen führen würde

habe ich mich intensiv beschäftigt und meine Untersuchungen um die Betrachtung dieser Fragen ergänzt. Die Ergebnisse sind in der vorliegenden Revision 2.0 enthalten und betreffen im Wesentlichen den Abschnitt F und die Anhänge 1 bis 3. Ich nehme gerne vorweg, dass sich auch unter Betrachtung der vorgenannten Kritiken meine Ergebnisse nicht ändern, sondern eher noch Nachteile der absolut steifen Fliegenrute aufgezeigt werden ! Mein Dank gehört dem Physiker Dr. Franz- Josef Schmitt, der mich bei der Analyse und Erarbeitung der vorliegende Revision 2.0 sehr unterstützt hat ! Auf sein Vorwort möchte ich besonders hinweisen.

Download/Drucken der Revision 2.0

Die wichtigsten kritischen Anmerkungen zu meinen Untersuchungen habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst und beantwortet !

In diesen Videos versuche ich den Effekt der Drehimpulserhaltung zu erklären:

Eine genauere physikalische Begründung, warum die flexible Fliegenrute die Energie in ihrer Spitze konzentriert, liefern diese Videos:

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Im vergangenen Jahr 2013 habe ich mich intensiv mit der Biegung unserer Fliegenruten beschäftigt. Ausgangspunkt war eine Wurfsequenz von mir, die mit einer handelsüblichen digitalen Kamera mit 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen und Bild für Bild ausgelesen wurde.

Die für meine Wurfsequenz ermittelten Ergebnisse vergleiche ich in meinen Untersuchungen mit denen, die sich unter den selben Bedingungen für eine absolut steife Fliegenrute ergeben. Dieser Vergleich zeigt, dass die flexible Fliegenrute gegenüber der absolut steifen Fliegenrute viele Vorteile besitzt – wenn ihr Biegeverhalten gut auf das Gewicht und die gewünschte Geschwindigkeit der Fliegenschnur abgestimmt ist. Ein Ergebnis des Vergleiches ist beispielsweise, dass die flexiblen Fliegenrute – im Vergleich zu einer absolut steifen Fliegenrute – die eingegebene Energie (Aufwand) mehr als doppelt so gut in ihre Spitze überträgt.

Es würde mich sehr freuen, wenn meine Untersuchungen dazu beitragen können, den Fliegenwurf besser zu verstehen.

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Hier ein Auszug der aus meiner Sicht wichtigsten Feststellungen meiner Untersuchungen:

3. Feststellung: Die Spitze der flexiblen Fliegenrute zeigt über einen großen Teil ihres Weges in die Richtung der gestreckten Fliegenschnur; sie beschleunigt diese in horizontaler Richtung. Die Spitze der absolut steifen Fliegenrute zeigt zu keinem Zeitpunkt in die Richtung der gestreckten Fliegenschnur; sie beschleunigt diese tangential auf einem Kreissegment.

5. Feststellung: Der Stopp bzw. die Rückstellung / Entladung der flexiblen Fliegenrute beginnt, wenn ihre Spitze in etwa die Hälfte (~50%) ihres Weges (aus Rotation) zurückgelegt hat. Die Rutenhand hat dann gerade die Endstellung 140° erreicht.

7. Feststellung: Die Spitze der flexiblen Fliegenrute besitzt eine um ca. 33 %  höhere horizontale Endgeschwindigkeit als die Spitze der absolut steifen Fliegenrute. Hingegen bewegt sich die Geschwindigkeit der Spitze der flexiblen Fliegenrute zu Beginn des Wurfes nur um 15% der Geschwindigkeit, welche die Spitze der absolut steifen Fliegenrute zu diesem Zeitpunkt bereits besitzt (Anfangsgeschwindigkeit).

8. Feststellung: Die Spitze der flexiblen Fliegenrute besitzt zu Beginn des Wurfes ca. 5% (0,051) und die der absolut steife Fliegenrute ca. 39% (0,388) der Geschwindigkeit, welche sie zum Ende des Wurfes hin erreichen. Zu Beginn des Stopps bzw. der Rückstellung / Entladung besitzt die Spitze der flexiblen Fliegenrute mehr als 80% (0,84) ihrer Endgeschwindigkeit

9. Feststellung: Die Auslenkung ist ein Maß für die Biegung der Fliegenrute. Sie nimmt über die 90° Position hinaus zu. Jeder in die Rotationsbewegung eingegebene Weg (Änderung des Rotationswinkels) führt zu einer Steigerung der Biegung der Fliegenrute.

10. Feststellung: Bei der flexiblen Fliegenrute führt die anfängliche Rotationsbewegung zu einer zunehmenden Biegung, wodurch die potentielle Spannkraft ansteigt, ohne dass die Masse der Fliegenschnur eine Beschleunigung erfährt. Bei der absolut steifen Fliegenrute führt jede anfängliche Bewegung unmittelbar zu einer Beschleunigung der Fliegenschnur, wofür schlagartig eine Kraft aufgewendet werden muss.

11. Feststellung: Das vom Werfer aufzuwendende Moment steigt im Quadrat zur Länge L der Fliegenrute an.

12. Feststellung: Über den Weg der Rückstellung / Entladung der flexiblen Fliegenrute bringt der Werfer keine Arbeit bzw. Energie mehr ein, weil sich der Rotationswinkel nicht ändert (α=0). Über den Weg der Rückstellung / Entladung arbeitet allein die flexible Fliegenrute und sie erhöht dabei gleichzeitig die Geschwindigkeit ihrer Spitze.

13. Feststellung: Die flexible Fliegenrute überträgt die in den Griff eingegebenen Energie zur Spitze hin (Effizienz) mehr als doppelt so gut wie die absolut steife Fliegenrute.

16. Feststellung: Je kürzer eine Fliegenrute ist, desto mehr trägt die Translationsbewegung zum gesamten, horizontalen Weg der Rutenspitze bei. Und je länger eine Fliegenrute ist, desto weniger trägt die Translationsbewegung zum gesamten, horizontalen Weg der Rutenspitze bei.

17. Feststellung: Weder mit einer reinen Rotations- noch mit einer reinen Translationsbewegung kann die Effizienz der masselosen, absolut steifen Fliegenrute über den Wert von 1,0 gesteigert werden. Die absolut steife Fliegenrute
kann auch bei keiner anderen denkbaren Bewegung, keinem anderen Weg, Rotationswinkel oder Geschwindigkeitsverlauf Hilfe für eine bessere Übertragung der Energie vom Griff zur Spitze anbieten. Aus diesem Grunde erfährt sie durch die meinen Untersuchungen zugrunde gelegten Rotationsbewegung keine Nachteile

18. Feststellung: Es ist gerade die Rotationsbewegung, welche die Geschwindigkeit der Spitze am meisten steigert. Der Werfer der absolut steifen Fliegenrute muss bei längeren Fliegenruten und größerem Rotationswinkel genau auf diesen Vorteil zunehmend verzichten, weil er mit der Spitze entweder den geraden Weg verlassen oder im Griff eine vertikale Ausgleichsbewegung (Hub) ausführen muss, die mit zunehmender Rutenlänge immer schwieriger bis unmöglich wird.

Fazit: Aus meinen Untersuchungen geht hervor, dass die Biegung der Fliegenrute über die gesamte Dauer des Wurfes Vorteile bringt, die im Wesentlichen aus dem Zusammenspiel zwischen der Drehimpulserhaltung und der Federenergie kommen und dass die Translationsbewegung dabei helfen kann, diese Effekte besser zu nutzen. Wegen der fehlenden Biegung besitzt die absolut steife Fliegenrute solche Vorteile nicht.
Die flexible Fliegenrute überträgt in meiner Wurfsequenz die in den Griff eingegebene Energie in die Spitze deutlich effizienter, als es die absolut steife Fliegenrute kann.

Abschließend noch mein aktuellstes Video zum Einfluss des Drehimpulses auf den Fliegenwurf:

langer versus kurzer Arbeitsweg der Rutenspitze

Donnerstag, Juli 7th, 2011

Ein längerer der Wurfweite angepasster Arbeitsweg der Rutenspitze ist eine wichtige Voraussetzung für die Effektivität des Fliegenwurfes, weil er einen kontinuierlichen und gleichmäßigen Steigerung der Schnurgeschwindigkeit und der Rutenladung ermöglicht.

Allerdings besitzt ein längerer Arbeitsweg der Rutenspitze auch einen Nachteil: denn über einen längeren Arbeitsweg können auch vermehrt Wurffehler begangen werden. Es vergrößern sich die Gelegenheiten der Rutenspitze einerseits vom geraden Weg abzuweichen (Geometrie) und andererseits den Geschwindigkeitsverlauf für den Aufbau der Rutenladung (Dynamik) nicht optimal vorzugeben.

Je mehr Schnur mit einem kürzeren Arbeitsweg der Rutenspitze in der Luft gehalten werden soll, desto früher muss die Schnurhand den Doppelzug ausführen. Denn auch der Doppelzug leistet einen Weg. Bei richtigem Einsatz erhöht er die Schnurgeschwindigkeit und die Ladung der Rute und er steuert dann den Anteil der Schnurgeschwindigkeit und Ladung bei, welche der Arbeitsweg der Rutenspitze allein wegen des kürzeren Weges nicht aufbringen kann.

Im Unterschied zum Arbeitsweg der Rutenspitze verursacht der Weg, den die Schnurhand mit dem Doppelzug einbringt, weniger Abweichung vom geraden Weg der Rutenspitze. Mit der Verkürzung des Arbeitsweges der Rutenspitze sinken die Anforderungen an die Geometrie des Fliegewurfes (gerader Weg der Rutenspitze) gleichzeitig steigen aber die Anforderungen an die Dynamik der Schnurhand, die nun mit dem Doppelzug die Schnurgeschwindigkeit auf kürzerem Wege kontiuierlich steigern muss. Dies erfordert eine besonders genaue Abstimmung mit der Rutenhand.

Der kürzere Arbeitsweg der Rutenspitze kommt Ruten mit schneller Aktion entgegen, weil sie schnell geladen werden können und eine hohe Rückstellkraft besitzen. Je langsamer die Aktion der Rute, desto langsamer und gleichmäßiger muss die Schnurgeschwindigkeit und die Rutenladung auch aufgebaut werden. Dafür bedarf es eines längeren Arbeitsweges der Rutenspitze. Der zusätzliche Weg, der durch den Doppelzug eingebrachte wird, kann bei weicheren Ruten den Arbeitsweg der Rutenspitze nicht immer ersetzen. Weichere Ruten erfordern daher in aller Regel bei längerer Schnurführung einen längeren Weg der Rutenspitze als schnellere Ruten.

Wer also in der Lage ist, die Rutenspitze auch auf einem längeren, geraden Arbeitsweg fahren lassen zu können, besitzt größeres Potential für einen effektiven, kraftminimierten Wurf und kann sich besser auf unterschiedliche Geräteeigenschaften einstellen.

 

Wurftipps von Steve Rajeff

Mittwoch, Mai 25th, 2011

In einem Interview, welches ich bei letsflyfish fand, äußert sich Steve Rajeff zu den entscheidenden Elemente seines Weitwurfes. Im Mittelpunkt steht der kontrollierte Rückwurf, den er auf kurzem, kraftvollem Weg mit einem aggressiven Stopp ausführt. Steve verwendet für seine Art des (Weit-) Wurfes Ruten von schneller Aktion. Seine Tipps habe ich übersetzt und gebe sie hier wieder.

„Der erste sehr wichtige Aspekt eines guten Wurfes ist, dass eine gute Schlaufenkontrolle erreicht wird. Die Schlaufe ist ein sich ausrollendes Abbild der Schnur sowohl des Rück- als auch des Vorwärtswurfes. Die meisten Leute vernachlässigen den Rückwurf. Ich lernte schon früh, dass ich die Rute sehr abrupt / schlagartig ‘crisply’ stoppen musste um eine enge Schlaufe zu erhalten und dass es nach dem Stopp gut ist zu entspannen, damit wenn erforderlich, mehr Weg durch eine Armbewebung nach hinten (Drift) für eine größere Wurfweite zur Verfügung steht. Aber das wichtigste was die Leute verbessern sollten ist die Schlaufe beim Rückwurf.

Der nächste Aspekt ist die falsche Ausrichtung. Der Rück- und der Vorwärtswurf befinden sich dann nicht auf einem geraden Weg. Man stelle sich einen langen geraden Strich [an der Rutenhandseite neben sich] auf dem Boden vor und man lässt die Schnur hinter sich den Boden berühren; dann muss die Schnur auf den Strich fallen und auch beim Vorwärtswurf muss die Schnur dann wieder auf den Strich fallen. Was oft passiert ist, dass die Werfer keine korrekte Ausrichtung haben und wenn sie werfen gibt es ungemein große Bögen und Kurven am Ende des Wurfes.

Der dritte und wahrscheinlich ebenso wichtige Aspekt ist, dass nicht genug Kraft im richtigen Moment für den weiten, letzen Wurf aufgebracht wird. Tendenziell wird die Kraft eher „geschlagen“ als sie gleichmäßig auf einem geraden Weg anwachsen zu lassen und das Ergebnis nennen wir einen Tailing Loop. Dieses Verfangen des Vorfachs entsteht, wenn man den Wurf „schlägt“. Nochmals: eine gleichmäßige Zunahme der Kraft hilft den meisten Leuten.

Also helfen eine bessere Schlaufenkontrolle, die Ausrichtung des Rück- und Vorwärtswurfes und die gleichmäßige Steigerung der Kraft grundsätzlich den meisten Werfern, ihren Wurf zu verbessern.

Wir wollen vermeiden, dass uns die Fliege trifft und denken, wenn wir den Rückwurf etwas weiter von uns entfernt ausführen, dass auch die Schnur weiter entfernt bleibt. Aber tatsächlich möchte die Schnur uns oder die Rute beim Vorwärtswurf treffen, wenn wir den Rückwurf zu weit von uns entfernt ausführen und genau deshalb entstehen diese ganzen Bögen und Kurven.“

Hier noch 2 Videos von Steve: a) Denver Show b) Best Of The West

Turnierwurf Fliege Einhand weit

Samstag, April 30th, 2011

Für den turniermäßigen Distanzwurf  “Fliege Einhand weit”  gelten die gleichen Anforderungen wie für den Weitwurf mit gewöhnlicher Ausrüstung. Allerdings gibt es einige Abweichungen, die sich im Wesentlichen aus Unterschieden in der Gerätewahl und den Anforderungen des Turnieres ergeben. Zum einen verwenden die Turnierwerfer sehr steife Ruten, die mit schweren, dünnen und meist bleihaltigen Schnüren bestückt sind. Zum anderen spielt es für die Wertung keine Rolle, ob der Wurf auch für das praktische Fischen geeignet ist (Schnur darf z.B. den Boden berühren und dicht am Körper vorbeiziehen).

Viele turniermäßige Distanzwerfer bevorzugen eine absolut vertikale Wurfebene unter Verwendung einens sehr offenen Arbeitswinkels, der nicht selten zwischen der 9 und 15 Uhr- Stellung und sogar darüber (!) liegt. Befindet sich bereits ein längeres Stück der Wurfschnur außerhalb des Spitzenringes, dann – und nur dann – kann trotz des großen Arbeitswinkels ein Bodenkontakt vermieden werden und eine enge Schlaufe entstehen. Bei einer längeren Wurfschnur entsteht unmittelbar nach dem Stopp in der 9 bzw. 15 Uhr- Stellung zunächst eine große Schlaufe, die sich jedoch durch die hohe Geschwindigkeit, Masse und Richtung der langen Oberschnur im weiteren Verlauf des Ausrollens zuzieht bzw. verengt.

Ich selber trainiere den turniermäßigen Distanzwurf nicht, weil es für das praktische Fischen so gut wie keine Bedeutung hat.  Die wichtigen Elemente für einen weiten Wurf können auch ohne Turniergerät und -bedingungen erlernt werden. Was sich der ambitionierte Fliegenwerfer aber in jedem Falle vom Turnierwurf  abschauen sollte sich der Körpereinsatz (Streckbewegung) und die Anwendung der Schnurhand.

Nachstehend die Beschreibung eines Turnierdistanzwurfes, die ich aus dem Englischen übersetzt habe.  Autor ist  Thomas Maire, ein erfolgreicher Castingsportler.

Wurfstile und Änderung des Arbeitswinkels

Montag, Februar 21st, 2011

Der Arbeitswinkel ist definiert als der Winkel, der von den Rutenachsen aufgespannt wird, wenn sich die Fliegenrute in der Anfangs- und Endstellung des Vorwärts- und Rückwurfes befindet (Stoppositionen). Eine späte, verzögerte Änderung des Arbeitswinkels ist wichtig für einen effektiven Fliegenwurf („late butt rotation“), um eine möglichst hohe Endgeschwindigkeit zu erreichen.

Mit Blick auf die verschiedenen Wurfstile fällt auf, dass einige die späte, verzögerte Änderung des Arbeitswinkel besser ermöglichen als andere. Deutlich wird das am Beispiel des ältesten in England entstandenen Wurfstiles („Englischer Wurfstil“). Bei diesem Wurfstil verbleibt die Rutenhand an einer Stelle, weil das Schulter- und Ellenbogengelenk des Wurfarms so gut wie keinen Weg fahren. Das Handgelenk wird aktiv eingesetzt, es funktioniert als „Scharnier“ und der Drehpunkt der Wurfbewegung liegt im Handgelenk. Daraus folgt, dass beim Englischen Wurfstil nur mit sofortiger Änderung des Arbeitswinkel die Rute geladen werden kann. Die Anhänger dieses Wurfstils müssen also einen „early butt rotation“ anstelle eines „late butt rotation“ durchführen.

Bei allen anderen Wurfstilen werden das Ellenbogen- und Schultergelenk mehr oder weniger mit in die Wurfbewegung einbezogen, wodurch die Rutenhand nicht auf einer Stelle verweilt, sondern einen Weg fährt. Und dieser Weg ermöglicht es dem Werfer die Rute in Bewegung zu setzen, ohne den Arbeitswinkel gleich zu Beginn des Wurfes ändern zu müssen. Eine Verzögerung der Änderung des Arbeitswinks liegt vor, wenn Rutenspitze und Rutengriff zu Beginn des Wurfes in etwa die selbe Geschwindigkeit und Richtung besitzen. Erst im weiteren Verlauf der Wurfbewegung wird die Geschwindigkeit der Rutenspitze zunehmend schneller als die der Rutenhand. Zum Ende des Wurfes schließlich besitzt die Rutenhand keine Geschwindigkeit mehr, gibt aber mit einer Rotationsbewegung am Rutengriff in die Rutenspitze die finale, größte Geschwindigkeit kurz vor dem Stopp ein.

Daraus folgt: je länger der Weg, den die Rutenhand fahren kann, desto länger kann die Änderung des Arbeitswinkels verzögert werden. Wurfstile, die ein verzögerte Änderung des Arbeitswinkels (“Abkippen”) ermöglichen, besitzen ein großes Potential für einen effektiven Fliegenwurf.

Rollwurf gehackt oder gezogen

Dienstag, Dezember 28th, 2010

Der Unterschied der einzelnen Wurstile wird auch in der Lehre und Ausführung des Rollwurfs deutlich. Diesen “halbe Wurf” bekam ich von mehreren Fliegenwurfinstruktoren in sehr unterschiedlicher Art und Weise gezeigt. Den größten Unterschied sah ich in meinen Wurfkursen bei Lasse Karlsson und Uwe Rieder.

Lasse verglich den Bewegungsablauf des Rollwurfes mit dem eines Hackebeils: die Rutenhand soll den Griff der Rute wie ein Hackebeil mit dem Daumen oben auf dem Schaft anfassen. In der Ausgangsposition befindet sich die Rutenhand neben dem Kopf. Die Rutenhand wird dann mit einer ruckartigen und kurzen Bewegung zugleich nach vorne und unten geschlagen, als ob sie ein Holzstück spalten wolle. Die Rute lädt sich durch diese Bewegung schnell auf und setzt den Rollwurf nach kurzem Weg ab.

Uwe verglich den Bewegungsablauf des Rollwurfes mit dem eines Wurfgegenstandes (z.B. Speer oder Ball): er streckt die Rutenhand sehr weit nach hinten, so dass auch seine Ausgangsposition für den Rollwurf sehr weit hinten liegt. Die Rute wird zu Beginn des Rollwurfes ohne Änderung des Arbeitswinkels zum Oberkörper hin gezogen. Der Oberkörper nimmt diese Bewegung auf und führt sie in der Wurfrichtung weiter fort, bis die Bewegung schließlich über die Schulter in den Oberarm und in die Rutenhand kommt.  Erst wenn die Körperbewegung die ziehende Bewegung nicht mehr weiter nach vorne zulässt,  wird der Arbeitswinkel geändert und der Rollwurf abgesetzt. Uwe hält die Rute auch bei längeren Rollwürfen mit der Zeigefingerhaltung.

Beide Arten des Rollwurfes haben Ihre Berechtigung. Wenn dem Werfer hinten nur wenig Platz zur Verfügung steht, muss der Rollwurf zwangsläufig auf kurzem Wege ausgeführt und mehr Kraft in die Bewegung gelegt werden. Bei mehr Rückraum hingegen kann der längere Weg helfen, einen effektiven Rollwurf auszuführen.

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