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Erste Meerforellen am Limfjord

Montag, Mai 4th, 2015

Vom 24. bis 28.04.2015 – von Lukasz Belza

Tobias, der schon oft auf Als Meerforellen gejagt hat, hatte diese Reise zum Limfjord vorgeschlagen, denn er hatte gehört dass der bisher unter Fliegenfischern noch nicht populäre Limfjord in Sachen Meerforelle ein “Geheimtipp” sei. Los geht’s am Freitag Abend. Das erste Mal, dass ich Meerforellen mit der Fliege nachstellen werde. Um ehrlich zu sein auch das erste Mal, dass ich mehrere Tage intensiv die Fliegenrute schwingen werde. Und auch eine Premiere für mich, was das Watangeln anbetrifft. Ich habe schon drei sehr gelungene Wurfkurse bei Tobias absolviert, und war einige Male mit der Trockenfliege am Fluss unterwegs, aber hier wird mir wohl weit mehr abverlangt werden. Tobias und Jacques, die mich zu diesem Trip an den Limfjord eingeladen hatten, scherzen: ‘der Neuling fängt immer am meisten.’ Gespannte Vorfreude. Ich habe für diesen Trip meinen alten, „aufgebockten“ Jeep Cherokee mit grobstolligen Geländereifen zur Verfügung gestellt. Das Auto ist bis oben hin mit Ausrüstung und Gepäck vollgepackt. Es kommt ein wenig Expeditions-Flair auf.

Tag 1:
Wir kommen um 7:30 in unserem schönen Ferienhaus in Hvalpsund an. Nach einem kurzen Frühstück werden die Fliegenruten gleich klar gemacht und die Wathosen angezogen. Der eigentlich geplante Schlaf nach der langen Fahrt (7h) fällt aus, alle wollen loslegen. So mag ich das.

limfjord-hvalpsund

Um 9.30 stehe ich zum ersten Mal in meinem Leben mit Wathose und 7er 9ft Rute ca. 30 Meter weit hüfttief im Limfjord. Tobias 30 Meter links, Jacques 30 Meter rechts von mir. Typisches Aprilwetter, herb, ca. 12 Grad, steife Brise, Mix aus Sonne, tief hängenden Wolken und etwas Regen. Kurze Einweisung an mich von Tobias und Jacques, und dann: los geht’s. Die ersten Würfe sind technisch bei 30 %. Mist. Beim Workshop mit Tobias auf der Wiese klappte alles ganz passabel. Aber die Welt sieht eben ganz anders aus, wenn man im kalten Wasser steht, der Wind einem um die Ohren pfeift und man eigentlich vor allem versucht, sicheren Tritt zu wahren und gleichzeitig die Schnur möglichst gut einzustrippen. Zu viel neue Information, ich muss mich sortieren. Wir arbeiten uns langsam die Küste entlang Richtung Westen vor. Tobias hat nach 30 Minuten als erster Fischkontakt: Ein Hornhecht, der wieder zurück darf. Jacques gibt mir laufend Tipps beim Werfen, was mir sehr dabei hilft meine Wurftechnik nach dem ersten „Flash“ halbwegs in den Griff zu bekommen.  Nach einer Stunde trennt sich Jacques von Tobias und mir und versucht sein Glück weiter Richtung Osten. Ich wate mit Tobias weiter Richtung Westen, wir werfen in der Nähe eines aufgestellten Fischernetzes. Dann ca. 45 Minuten später ein Knoten im Vorfach. Also Vorfach wechseln. Tobias rät, bei der Gelegenheit auch mal auf  Garnelen-Imitation zu wechseln. Ich nehme die von ihm gebundene „UV-Krabbe“. Mein zweiter Wurf mit der neuen Fliege geht meine an diesem Tag üblichen ca. 18 Meter raus, wie schon so oft an diesem Tag landet der Köder links vor dem Fischernetz. Ich strippe ein paar Meter gedankenlos ein, und auf einmal: BUMM! Die Rutenspitze biegt sich durch. Ach du Sch…! Tobias ruft: „Rutenspitze oben halten!“ Ich versuche die Schnurspannung nicht zu verlieren, drücke mit der rechten Hand die Schnur an die Rute um den Fisch zu fixieren, und schaffe es halbwegs schnell die Running Line sauber auf die Rolle einzuholen. Puh…endlich kann ich den Fisch über die Rolle kontrollieren. Nach kurzem Drill wird in einiger Entfernung kurz ein silberner Fischrücken an der Wasseroberfläche sichtbar. Eine Meerforelle! Und nicht klein, auch das kann man schon erkennen. Der blanke Wahnsinn! So, jetzt nichts verdaddeln. Ich gehe mit Tobias langsam Richtung Ufer und versuche gleichzeitig, die Meerforelle müde zu machen. Immer wieder gibt sie Gas, versucht kraftvoll abzuziehen. Nach 5 Minuten ist es soweit, Tobias zieht den Fisch mit dem „LandeHandschuh“ in seinen Schnur-Kasten, und sticht ihn waidgerecht ins Herz ab.  Ich kann mein Glück nicht fassen: Erster Tag, 2h nach Ankunft, absoluter Neuling, und das Ergebnis: eine wunderschöne, große Meerforelle mit 48 cm.

limfjord_48er-lukasz

Jacques, der inzwischen wieder zurück ist, erinnert an seinen Scherz bei der Abreise: der Neuling fängt immer am meisten.  Alle lachen und freuen sich, auch weil wir nun alle wissen dass der Limfjord schöne Meerforellen zu bieten hat. Erleichterung und Motivation macht sich breit. Nachmittags wechseln wir noch den Fangplatz, doch es bleibt an diesem Tag bei dieser einen Meerforelle.

Tag 2:
Wir fahren zu einem Riff, das Tobias auf Google Maps ausfindig gemacht hat. Ca. 10 Minuten Autofahrt, einfach auf die Westseite unserer Halbinsel. Es ist 9.00 Uhr. Eine wunderschöne Bucht, kristallklares Wasser das über das Kiesriff glitzernd schwappt, die Morgensonne scheint, Kumulswolken, ein Bild wie gemalt. Das Riff scheint sehr vielversprechend, es ragt weit im Bogen in die Bucht hinein, man kann knietief hunderte Meter hinauswaten. Allein das ist ein Erlebnis. Nach 30 Minuten ruft Tobias: „Wir wechseln den Platz“. Fragezeichen in meinem Gesicht. Wieso wechseln, wenn die Stelle doch so aussichtsreich ist… Tobias deutet mit dem Finger auf die Bucht: „Robben! Hier werden wir heute nichts fangen.“ Und in der Tat: alle paar Sekunden tauchen in ca. 80 Meter Entfernung an verscheidenen Stellen der Bucht kleine Robben-Köpfchen für ein paar Sekunden aus dem Wasser. Wir haben also versucht, uns ungefragt am Frühstückstisch der Robben zu bedienen. Das gehört sich nicht, abgesehen davon dass wir gegen die Jagdkunst der Robben nichts entgegenzusetzen haben. Ein unglaubliches Naturerlebnis dennoch. Allein deshalb war es wert, diesen Fangplatz zu testen. Weiter geht’s. Wir gehen weiter auf ein benachbartes Riff, ca. 15 Minuten zu Fuß entfernt. Hier kein Fischkontakt. Wir treffen auf zwei einheimische Spinn-Angler. limfjord-1Der Platz muss also grundsätzlich „fängig“ sein. Wir machen Mittagspause, und fahren dann auf die gegenüber liegende Seite des Limfjords. 30 Minuten Autofahrt. Es hat sich schon ein wenig Routine bei mir eingestellt. Tobias und Jacques gehen ins Wasser und fangen an zu werfen. Ich lege eine kurze Pinkelpause ein, und schließe mich mit 5 Minuten Verspätung an. Die Wurftechnik ist auch schon solider geworden, den Schusskopf habe ich gut im Griff. Ich fange ganz entspannt an, die ersten Würfe zu platzieren. Tobias ist ca. 50 Meter links neben mir, Jacques 30 Meter rechts von mir. Nach nur 10 Minuten: BISS! Nur ca. 12 Meter vor mir, der Schusskopf hatte beim Einstrippen fast die Rutenspitze bereits erreicht. Diesmal totales Schnurchaos im Schnur-Kasten, ich kriege es nicht hin die Schnur sauber einzurollen, Tobias ruft: „Hol den Fisch direkt per Hand ein!“. Jacques wiederholt immer wieder „Rutenspitze hoch, Rutenspitze hoch!“ Nach kurzer Zeit ist eine 42erMeerforelle an Land.

limfjord_42er-lukasz

Ich fasse es nicht. Zweiter Tag, zweite Meerforelle. Einfach unglaublich. 30 Minuten später knallt es dann auch bei Tobias, der eine 40er Meerforelle landet. Ein schöner, fängiger Platz also. Wir treffen auf einen einheimischen, der auch oft mit Fliege Meerforellen angelt. Er gibt uns wertvolle Tipps für weitere Fangplätze. Vor allem den Mariagerfjord, ca. 50 Km entfernt, legt er uns wärmstens ans Herz. Das wollen wir am nächsten Tag testen. Gegen 18 Uhr wechseln wir zum letzten Mal den Fangplatz an diesem Tag. Wir fahren weiter an den Fährhafen, direkt gegenüber unseres Ferienhauses am Limfjord. Direkt vom Fährhafen geht ein schönes Riff tief in den Limfjord hinein. Wir werfen 1 1/2 Stunden, ohne Erfolg. Tobias zieht einen Hornhecht heraus, der wieder zurück darf. Er macht gegen 20.00 Uhr Schluss für den Tag und geht schon mal zum Auto. Jacques und ich bleiben noch auf dem Riff, die letzte Fähre, die wir auf „unsere“ Seite des Limfjords nehmen wollen, geht um 21:15. Wir haben also noch etwas Zeit, doch nach 30 Minuten ist auch bei uns die Luft endgültig raus. Die Sonne geht langsam unter, es ist dämmrig, und Jacques sagt: „Komm, wir gehen nochmal vor an die Fährhafen-Mauer. Dort werfen wir nochmal mit dem Wooly Bugger, und dann ab nach Hause.“ Ergebnis: die erste Meerforelle für Jacques bei diesem Trip, 44 cm! Als ob er es geahnt hätte, dass am Fährhafen was geht. Endlich haben alle „ihre“ Meerforelle. Erleichterung, und ein fröhlicher Abend im Ferienhaus. Wir gehen früh ins Bett, denn am nächsten Tag soll es wieder um 8.00 los gehen.

Tag 3:

Letzter Angel-Tag für mich, denn ich muss aus beruflichen Gründen am vierten Tag leider vorzeitig zurück nach Berlin. Wir fahren zum Mariagerfjord, den uns der Däne am Vortag empfohlen hatte. Es macht sich klar bemerkbar, dass ich schon 2 Tage im Wasser mit Werfen zugebracht habe: wegen Salzwasser rissige Haut an den Händen (sehr schmerzhaft), rechte Hand, Unterarm und Schulter tun weh, das Waten fällt schwerer, ich friere ein wenig  trotz drei Klamotten-Lagen inkl. Zwei Lagen Neopren-Socken. Wir starten mit einer Stelle an der Nordseite des Mariagerfjords. Der Fangplatz ist idyllisch schön.

mariagerfjord-2

Kein Fischkontakt, dafür treffen wir einen dänischen Fliegenfischer, der uns eine Stelle weiter östlich empfiehlt. Dort habe er vor einiger Zeit eine 72er Meerforelle erwischt.Wir wechseln also den Fangplatz. Neben einer lautstarken Kormoran-Kolonie, treffen wir auf eine versteckt gelegene, vielversprechende Bucht mit kleinem Bootsanleger, die nach 200 Metern in den Mariagerfjord übergeht. Am Ausgang der Bucht geht ein schönes Riff in den Fjord hinein, wo wir auch zunächst starten. Kein Fischkontakt. Viel „Grünzeug“ im Wasser. Die Fliege ist laufend voll mit Algen, das nervt. Wir wechseln daher in die Bucht. Dort hat Tobias nach kurzer Zeit einen „Nachläufer“, eine kleine Meerforelle. Kurz darauf zieht Jacques eine kleine Meerforelle raus, die untermaßig ist und daher zurück ins Wasser geht. Nach einiger Zeit habe auch ich eine kleine Meerforelle am Haken, die ich aber mangels Schnurspannung verliere. Halb so wild, aber eine gute Lektion für die nächste große. 😉 Wir wechseln auf die Südseite des Mariagerfjords. Der erste Fangplatz überzeugt uns  nicht. Wir machen ein paar Würfe, und fahren weiter Richtung Westen. Aus dem Auto sehen wir eine schöne Stelle, und halten spontan. Ich ziehe hier meinen ersten Hornchecht raus, der wieder zurück ins Wasser geht. Ansonsten kein Meerforellenkontakt. Wir fahren nochmals weiter, diesmal wieder ein idyllisch schöner Fangplatz. Und zwei Dänen mit Spirolino. Hier könnte also was gehen. Jacques zieht zwei untermaßige Meerforellen raus, die wieder zurück gehen. Tobias sieht zwei große Meerforellen „buckeln“, die aber auf seinen sofortigen Wurf nicht reagieren. Gegen 20:30 beenden wir den Tag. Am nächsten morgen geht es für mich zurück nach Berlin, Tobias uns Jacques bleiben noch 3 Tage. Ich hoffe dass sie noch viele große Meerforellen erwischen.

Fazit
Meine Erwartungen wurden bei diesem Trip mehr als übertroffen. Zwei stattliche Meerforellen, und ein Hornhecht in drei Tagen sind für mich ein Traumergebnis. Ich ging eher davon aus, dass ich gar nichts fangen werde. Zudem atemberaubende Natur: Riffs, Fjorde, Robben, Kormorane, Galloway-Rinder, Höckerschwäne, Füchse, Hasen, Rehe etc. Allein deshalb war es lohnenswert. Und zwei super sympathische, entspannte Mitstreiter und Fliegenfischer- Profis, die mir ganz viel Know-How in diesen Tagen mitgegeben haben. Vielen Dank für die vielen Tips und die vor allem die gute Zeit, Tobias und Jacques. Auf ein Neues!

limfjord_jacques-53er

Nachtrag: Jacques und Tobias blieben noch etwas länger als ich. Beide fingen in dieser Zeit weitere Meerforellen, wobei Jacques mit einer schönen 53er den größten Fisch der Woche auf die Schuppen legte.

 

Huchen an der 4er Fliegenrute

Freitag, Mai 13th, 2011

Von einem alten Studienfreund erhielt ich heute diese außergewöhnliche Fangmeldung:

Hi Tobias,

war gestern an der Sava fischen. Nach einigen guten Forellen hatte ich dann einen Klopper dran: Huchen! Ich konnte es selber kaum glauben. Kann nicht sagen wie gross der wirklich war. Ich war ganz alleine und konnte weder ein vernünftiges Foto machen noch messen. Hatte alle Mühe dat dicke Ding überhaupt zu händeln. An der #4’er Rute war das kein Spass und meine Aterienklemme sah auch wie ein Spielzeug aus als ich den Streamer rausholen wollte. Ich habe ihn an die Rute gehalten um ungefähr abzuschätzen wie lang der ist und wenn das stimmt müsste er so um die 90cm gehabt haben.

Aber war auf jeden Fall mit Abstand der grösste Fisch den ich je auf Fliege gefangen habe.

 

 

 

 

 

 

 

Glück auf

 

 

Ein besonderer Tag an der Dosse

Donnerstag, Januar 20th, 2011

Eigentlich wolle ich am letzten Maiwochenende ein lang geplantes Jugendfreundetreffen im Harz verbringen. Meine Frau hatte sich aus diesem Grunde für diesen Zeitraum mit einer Freundin verabredet, um Erfurt zu besichtigen. Dann kam die unverhoffte Absage, weil die Familie eines Jugendfreundes rebellierte… was nun ? Meine Frau war verplant und mir stand ein Wochende alleine in Berlin bevor. Gar nicht gut.

So rief ich kurzerhand Dennis an um zu fragen, ob wir nicht zusammen fischen gehen wollten. Gesagt getan. Er schnappte mich am U-Bhf Bismarckstraße auf, wo ich mich minimalistisch ausgerüstet am Samstag, den 29.05. um 12 Uhr einfand. Eine gute Stunde später befanden wir uns an der Dosse am Wehr Dossow. Der Tag war sonnig, es lies sich kaum eine Wolke am Himmel blicken. Eher ungewöhnlich für den Mai diesen Jahres, der bisher eher kalt und verregnet war. Wohl auch aus diesem Grunde blieben die Forellen auf Tauchstation, obwohl schon viele Maifliegen unterwegs waren.

So gegen 16 Uhr setzte ein reger Schlupf ein, aber auch der bewegte kaum eine Forelle zu steigen. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass wir keine Forelle von unseren Maifliegenimitationen überzeugen konnten. Dennis uns ich beschlossen einen Ortswechsel und fuhren flussaufwärts nach Goldbeck ans Wehr. Auch dort konnte wir einige Maifliegen auf dem Wasser sehen, doch auch hier war die Reaktion der Forellen eher sporadisch. Ein regelmäßiges Steigen gab es nicht.

Nun wurde unser Vizepräsident Andreas per Handy um Rat gefragt, der mit seiner Familie schon einige Tage an der Dosse verweilte und bisher ebenfalls mäßigen Erfolg verzeichnen konnte. Nach einiger Diskussion rückte die untere Dossestrecke in unseren Fokus und so luden wir gegen 18 Uhr Andreas ins Auto ein und fuhren gemeinsam über Friedrichgüte einen Waldweg zur Melkstandsbrücke. Dennis und ich gingen stromabwärts – er auf der linken, ich auf der rechten Seite – während sich Andreas stromaufwärts Richtung Dossow begab.

Auf meiner rechten Seite beginnt ein Waldabschnitt in rd. einem Kilometer flussabwärts. Um nahe am Fluss bleiben zu können, musste ich einiges Gestrüpp durchqueren und kam schließlich zu einem keinem Graben, der in die Dosse floss. Diesen übersprang ich gerade, als ich einen Stieg unter einem nahen Ast vernahm. Diese Stelle war wegen der Vegetation an meiner Uferseite nicht einfach zu befischen, aber mit vorsichtigen, kurzen und gezielten Wurfbewegungen entging meine Fliege knapp den Büschen und Ästen und landete gut platziert unter dem besagten Ast. Und wurde sofort von einer 35er Forelle genommen ! Gleich im Anschluss stürzte sich noch eine 30er Forelle auf die Fliege, durfte aber wie die Forelle zuvor wieder zurück in ihr Element.

Etwas weiter flussabwärts kam ich aus dem Waldabschnitt heraus, wo die Dosse in einem langen, geraden Abschnitt übergeht. Etwa eine viertel Stunde stand ich ruhig da, genoss die Natur und schaute immer wieder auf diesen langen Abschnitt. Die Sonne schien kräftig. Kein Stieg. Bis zur Baumannsbrücke wollte ich nicht gehen und schlenderte wieder stromauf. Kurz hinter der Melkstandsbrücke in der Flusskurve entdeckte ich den gebückten Dennis, der gebannt flussaufwärts blickte. Ab und an bot er seine Maifliege an. Auf seiner Höhe angekommen berichtete er mir von eine großen Forelle, die ab und an in der Kurve stieg. Nachdem ich ihm viel Erfolg wünschte ging ich weiter stromauf. Dort vernahm ich einige Steiger und konnte kurz darauf wieder eine schöne 35er Forelle von meiner Imitation überzeugen und anschließend in ihr Element zurücklassen. Ansonsten waren keine Aktivitäten zu erkennen. Nach einer guten Stunde kehrte ich wieder flussabwärts zur Melkstandsbrücke zurück, wo Dennis immer noch gebannt der Forelle nachstellte. Ich beobachtete die Szene nun gebannt. Da sich andere Forellen immer noch nicht zeigten, fand ich es am spannendsten, Dennis’ bei seinen Überredungskünsten zu beobachten. Plötzlich ein satter Stieg etwas unterhalb von Dennis Standplatz. Und kurz darauf noch ein satter Stieg. Ja, nun konnte ich Dennis besser verstehen; es war ein großer Fisch, der da offensichtlich etwas in seinem Revier streunerte und sich auf einem Streckenabschnitt von rd. 15 Metern sporadisch zeigte. Ich ging über die 50 m oberhalb liegenden Melkstandsbrücke auf Dennis Seite. Da sich der Fisch nach diesen 2 Stiegen nicht mehr zeigt, war nun Dennis’ Geduld zu Ende und er ging flussaufwärts. Meine Geduld war hingegen noch voll und ganz da und so stellte ich mich an den Standplatz von Dennis und montierte eine extended body Maifliege von Theo Atanassov.

Es war gegen 21 Uhr. Ich wartete. Keine Aktivität. Ich lies die Abendstimmung auf mich wirken. Die Sonne war hinter den Bäumen verschwunden und tauchte die Horizont in ein leichtes Rot. Bis auf einige Vögel war nichts zu hören. Eine angenehme Frische legte sich um meinen Körper und Tau machte sich auf den Grashalmen breit. Es war einer dieser schönen Augenblicke, die man unbedingt festhalten will. So in mich gekehrt riss mich plötzlich etwa 25 m oberhalb ein satter Stieg aus meinen Gedanken. Ich schaltete und begab mich schnellen Schrittes etwas flussauf. Wieder ein Stieg ! Auf meiner Seite ungefähr 10 Meter stromauf. Ich warf vom Flussrand über die Backhandseite den Fisch an und platzierte die Theo’sche Maifliege geschätzte 60 cm oberhalb des Ringes. Kein Biss. Die Fliege kurz und vorsichtig abgehoben, zwei Leerwürfe und wieder platziert. Diesmal einen geschätzten guten Meter oberhalb des Ringes… Stieg ! Stieg auf meine Fliege ! Ich schlug an und das Wasser explodierte ! Die Forelle zog mit Macht nach unten. Meine 5er Rute bog sich im Halbkreis. Was für ein Fisch muss das sein ! Ich ließ nicht locker und übte weiterhin so starken Druck auf den Fisch aus, dass dieser nicht in das Kraut flüchten konnte. Gut, dass ich ob meiner Erfahrungen an der Dosse eine 0,25mm Vorfachspitze gewählt hatte. Schon manch starker Fisch hatte in den Saisonen vorheriger Jahre meine Vorfachspitzen, die ich nie unter 0,18mm wählte, gesprengt. Das sollte mir jetzt nicht passieren ! Der Druck meiner zum Halbkreis gebogenen Rute zeigte nun Wirkung und die Forelle kam zum ersten Mal an die Wasseroberfläche. Sch…, war das ein Brocken ! Sicher die größte Bachforelle, die ich bisher am Haken hatte.

Ich griff nach meinem Kescher. Welcher Kescher ? Der ist meinen minimalistischen Überlegungen zum Opfer gefallen und lag zuhause gut im Schrank. Dennis. Außer Sichtweite. Die Forelle platschte mächtig an der Oberfläche und zog wieder nach unten. Dies wiederholte sich einige Male, bis ich merkte, dass die Fluchten schwächer wurden. Ich ging am Flussufer auf die Knie und zog den mächtigen Fisch, der nun seine Seite zeigte, zu mir heran. Doch ich bekam ihn nicht richtig zu fassen und die Forelle zog wieder abwärts. Ein zweiter Versuch. Wieder zog der Fisch nach unten, nachdem er meine Hand spürte. Ein weiterer Versuch. Jetzt bekam ich den Fisch unter seinen Bauch gefasst und hob ihn mit einer schnellen Bewegung auf die Wiese.

Mir stockte der Atem. Da lag er nun. Was für ein Fisch ! Wild gewachsen. Ein Rogner mit starkem Rücken. Schön gezeichnet. Die Fliege saß perfekt im vorderen, oberen Maulbereich. Stille Freude. Mir war erst gar nicht klar, was da eben geschehen ist. Eine so große Bachforelle hatte ich bisher nicht ansatzweise gefangen ! Es fiel mir schwer, den Fisch ob seiner Schönheit zu versorgen. Aber nein, einen solchen Trophyfisch konnte ich nicht nun wirklich nicht releasen (sorry, Forelle).

Etwa gegen 21:30 Uhr trafen sich Dennis und ich an der Melkstandsbrücke. Dort zeigte ich ihm den Fisch, auf den er es wahrscheinlich die Zeit zuvor vergeblich abgesehen hatte… Nun wurde die Forelle auch gemessen. Stolze 57cm zeigte das Maßband an. Und so langsam dämmerte uns beiden, dass an diesem Tag etwas ganz besonderes geschehen ist.

Auf unserer Rückfahrt hielten wir noch beim Reiterhof in Dossow an, wo Andreas inzwischen eingekehrt war. Auch Uli weite dort und beide staunten nicht schlecht ob dieser Forelle. Diese Forelle, welche meine ‘brown trout of the lifetime’ ist – vielleicht !

Frühjahrsmeerforellen für Andreas

Samstag, Januar 8th, 2011

Leider ist das Wetter Anfang April 2006 zum kaltfeuchten umgeschwenkt. Es gab zwar immer wieder ein paar Sonnenfelder, aber es überwogen doch die Wolken – z.T. in schwarz mit Regenguss und Hagel. Die Temperaturen lagen morgens bei knappen 2 Grad und teilweise wurde es tagsüber nicht viel wärmer. Einzig die Windrichtung stimmte – West- bis Südwestwind. Andreas hatte seine MeFo-Connektion aktiviert und die News klagen sehr, sehr gut. Mathias B. und Konsorten fingen vor der Südspitze Langelands Meerforelle um Meerforelle, die meisten mit der Sbirolinofliege. Eine 80er war auch mit dabei. Der beste Tag brachte den vier Jungs 25 Meerforellen ! Unsere Erwartungen von Als waren entsprechend hoch.

Aber nun zu unserer Fischerei: der Sonntag fing vielversprechend an. Das Wetter frühlingshaft warm standen Andreas und ich an der Flughafenspitze bei Arnkil und warfen unsere Schusskopfmontage in die Ostsee. Keine Meerforelle. Gegen Mittag kam der Burghard (mein Angelfreund von der Bode) dazu und brachte eine Wetterverschlechterung aus Hildesheim mit. Keine Meerforelle für keinen. Andreas’ Anruf bei Mathias am Abend brachte Frust: auf Langeland hatten die Jungs wieder eine schöne Strecke hingelegt.

Montag früh war es kalt. Wir beschlossen in die Abbenrader Bucht zu fahren. Dort gibt es ja dieses Kraftwerk, welches das aufgewärmte Kühlwasser in die Bucht entlässt. Unsere Rechnung war, dass sich bei diesem kalten Wetter die Fische im wärmeren Wasser einstellen. Bei Feldstedskov die Ernüchterung: das Wasser ist auch hier nicht wärmer als vor Als, lausige 3 Grad ! Also näher hin zum Kraftwerk und wir entdeckten tatsächlich den Auslauf des Kühlwasserkanals. Das Wasser an Auslauf hatte 6 Grad ! Wir positionierten uns im erlaubten Abstand und warfen unsere Fliegen aus. Bei einem meiner ersten Würfe rappelts an meiner 8er Sage VPS – eine schöne 53er Meerforelle ist auf meine Tubenfliege eingestiegen und liefert mir einen aufregenden Kampf mit vielen Sprüngen ! Der Drilling sitzt gut und so konnte ich sogar so gelassen sein, Andreas um eine Filmaufnahme vom Drill zu bitten. Nach dem Fang wurde es ruhig – kein Fisch biss mehr, obwohl es dort extrem fischig aussah; nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Meerforelle dort vorbeikommt und verweilt. Aber so fuhren wir nach Als zurück und versuchten es erneut beim Flughafen. Dort schlug Burghard mit einer schönen 55er MeFo zu, die seinen Blinker in unmittelbarer Ufernähe inhalierte. Abends schwamm dann meine Meerforelle gebraten mit Weiswein in unsere Mägen und Burghard seine gebeizt in den Kühlschrank.

Dienstag war Schneidertag. Wir folgten den Ratschlägen von Mathias B., der windauflandige Stellen empfahl. Für den Fliegenfischer eine echte Herausforderung, fischten wir bei Kaegnes Ende und Kaegnes Faerje – der inzwischen kälter gewordene Wind blies heftig, es war sehr unangenehm und Andreas und ich kämpften mit unserer Schußkopfmontage gegen den Wind an. Der Anruf bei Mathias am Abend brachte erneut Frust: die Jungs hatten wieder eine saubere Strecke hingelegt.

Am Mittwoch fischten wir noch einen halten Tag beim Flughafen, dort konnte ich noch eine 41er Meerforelle mit meiner Tube zum Anbiss überreden. so gegen 13 Uhr war dann die Angeltour vorbei. Wir räumten das Haus auf, Andreas uns ich fuhren Richtung Berlin. Burghard, der noch eine paar Tage Urlaub hatte, fuhr weiter zu einer andere Insel – ratet mal welche: Langelang !

Herbstmeerforellen für Körbsi

Donnerstag, Januar 6th, 2011

Stefan Gericke und ich hatten uns Anfang November auf der Insel Als in Dänemark zum Meerforellenfischen verabredet. Er wollte dort in dieser Zeit einen Kurs geben, hatte bis kurz zuvor aber keine konkrete Zusage.

Etwa 2 Wochen vor dieser geplanter Fischtour berichtete mir mein Freund Körbsi beiläufig von seiner Hochseetour auf der Ostsee, bei welcher er einige Dorsche fangen konnte. Das Angeln habe ihm schon Spaß bereitet, jedoch fand er das Fischen auf die Meerforelle schon spannender… Und schon war die Idee geboren, dass er an Stefans Kurs teilnehmen könnte.

Gesagt, getan ! Körbsi schloss sich spontan an. Am 2.11.2006 früh um 4:30 Uhr klingelte er vereinbarungsgemäß an meiner Haustür in Berlin, wo ich ihn schon voller Ungeduld und mit vollem Gepäck erwartete. Das Wetter am Tage zuvor war geprägt vom ersten schweren Herbststurm des Jahres mit Überschwemmungen an den deutschen Küsten. Wir waren aber trotzdem guter Dinge, weil Stefan diesem Wetterumschwung positive Aussichten für den Fischfang abgewinnen konnte. Und Petrus sollte es dann wirklich gut mir uns meinen, wie ich noch schreiben werde…

Das Gepäck war schnell in Körbsi’s Passat verstaut und die Fahrt Richtung Norden konnte beginnen. Die frühe Reisezeit hatte den Vorteil, dass die Straßen frei waren und wir nach gut 5 Stunden auf Als ankamen. Stefan befand sich noch hinter uns, so dass wir unser Quartier in Okslebö bei Nordborg schon mal bezogen. Als dann Stefan anrief, ging alles ganz schnell: wir stiegen ins Auto, trafen uns kurzerhand auf der Hauptkreuzung von Okslebö und fuhren Ihm hinterher an die Fahrrinne bei Stegsvig. Das Sprichwort „auf jedem Sturm folgt wieder Sonnenschein“ sollte sich bewahrheiten: bei strahlend blauem Himmel warfen wir unser Angelgerät in die Ostseebuchten aus. Neben Stefan waren noch Mario und Frank mit von der Partie, die aber noch am gleichen Tag wieder Richtung Hamburg abreisen mussten. Körbsi „durfte“ es zuerst mit der Sbirolino- Fliege versuchen, da Stefans Fliegenfischerkurs erst am morgigen Freitag begann. Am Ende dieses Tages fing Stefan eine stramme Meerforelle an die 60 cm und Körbsi versenkte die einzige Sbirolinopose in den Weiten der Ostsee… Wir nutzen diese Zwangspause zum Einkauf in Sönderborg, wo wir Körbsis magere Angelausrüstung um neue Watkleidung und Angelgeräte vergrößerten.

Der Freitag begann mit einem deftigen Frühstück und anschließendem Quartiersumzug. Dann führte uns Stefan an die nordöstliche Spitze von Als zum sogenannten “Friedhof”. Das Wasser war ruhig aber ob des Sturmes der vergangenen Tage sehr trübe. Ich stellte mich sogleich ins Wasser, während Stefan seinem Schüler Körbsi erst mal die Grundzüge des Fliegenwurfes zeigte. Bei einem der ersten selbständigen Würfe von Körbsi krümmte sich plötzlich seine Rute und nach kurzem Drill, begleitet von Stefans Kommandos, landete er sicher eine maßige Meerforelle. So kann es gehen ! Und Körbsi schickte sich sogleich an, die wichtigsten Meilensteine eines Meerforellenfliegenfischers im Schnelldurchgang zu absolvieren; denn die obligatorische „Taufe“, das Badengehen wegen eines Ausrutschers bei Waten, folgte sogleich. Er sah aber nasser aus als er tatsächlich war und konnte weiter fischen.

Am Nachmittag wechselten wir an die Bucht von Sandvig an eine am südlichen Ufer gelegene „100%ige“ Stelle, wie Stefan es formulierte. Natürlich ist so eine Aussage gerade beim Meerforellenfischen sehr gewagt, aber Stefan schien überzeugt. Und er sollte recht behalten. Das Wetter wurde besser und besser, die See beruhigte sich zunehmend und wir sahen die ersten Fische in Wurfweite rauben. So dauerte es auch nicht lange, bis Stefan den ersten Fisch haken und sicher landen konnte. Schließlich fand auch meine Fliege Fressinteresse, was mir durch einen heftigen Ruck in der Schnur angezeigt wurde und nach kurzen Drill landete ich eine schöne Meerforelle.

Wir fischten bei einem selten schönen Sonnenuntergang bis zum Einbruch der Dunkelheit. Nicht nur, weil die meisten Fische leicht gefärbt waren, sondern auch, weil uns die Farben der Natur so gut stimmten, war dieser Freitag ein unblutiger Tag. Alle Fische wurden wieder schonend in ihr Element zurückgesetzt.

Abends dann beim wärmenden Tee „mit Schuss“ band uns Stefan seine fängigsten Fliegenmuster vor.

Der Samstag versuchten wir es zunächst in der Bucht von Sandvig, wo das Fischen wegen des auffrischenden Windes erheblich schwerer als am Tag zuvor war. Daher wechselten wir in eine andere Bucht, dort war das Fischen wesentlich entspannter, weil sie vorm Wind  schützte. Wir alle fingen an diesem Tag schöne Fische dort, ich sogar eine blanke ! Der Tag endete wieder mit Fliegenbinden, diesmal versuchte sich auch Körbsi mit beachtlichem Erfolg an dieser Kunst.

Sonntag war ein verregneter Tag. Stefan zeigte uns noch im kleinen Hafen von Dyvig eine schöne Stelle, wo wir aber erfolglos blieben. So waren wir auch nicht allzu traurig, dass dieser Fischereiausflug schon seinem Ende zuging.

Alte Orangen

Mittwoch, Dezember 8th, 2010

Am Nikolaus 2010 vielen mir wieder Orangen in die Hände, die ich 40 Jahre lang aufgehob. Nun habe ich sie endlich gegessen. Und nachdem ich die hart gewordene Schale entfernt habe, schmeckten sie mir zu meiner Überraschung !

Was diese (philosophische ?!) Feststellung mit Fliegenfischen zu tun hat ? Jede Menge ! Denkt mal nach…

Gaula 2007. Oder: My Salmon Of The Lifetime

Montag, November 29th, 2010

So wollten Dennis und ich auch in diesem Jahr an die Gaula fahren, an die von Rudi gepachtete Löberg- Strecke in Lundamo. Der Flug war gebucht, es sollte am 23.06. von Berlin- Schönefeld über Oslo nach Trondheim-Vaernes gehen und am 01.07. umgekehrt zurück. Die Reisevorbereitungen liefen in vollen Zügen, als mich Dennis zwei Tage vor Abreise anrief und mir mitteilte, dass er nicht mitkommen könne. Die Arbeit gestatte gerade keine Auszeit, er wolle aber ggf. 3 Tage später nachkommen. Puh, das fing ja gut an. Nur gut, dass mir die Leute dort an der Strecke keine Unbekannten mehr waren. Außerdem wollte Volker Tielmann, den ich seit meiner Kindheit kenne, zur gleichen Zeit an der Strecke fischen, und so wog die Freude über das Wiedersehen meine alleinige Anreise auf.

Am früher Samstag Nachmittag erreichte ich unsere HQ bei Fam. Haugen und verstaute meine sieben Sachen in der Hütte, die nun für eine Woche mein Zuhause sein sollte. Rudi machte währenddessen eine paar Würfe mit dem Blinker und riss mich mit einem lauten „hau hau“ aus meiner Konzentration. Er befand sich im Drill mit einem Lachs von genau 10 Kilo, wie das spätere Wiegen ergab. Angespornt durch diesen Fang war ich guter Dinge. So begann ich mit Rudis Segen bereits um 22 Uhr zu Fischen – 2 Stunden vorm offiziellen Beginn.

Das Wetter war in der ersten Wochenhälfte bis einschließlich Dienstag unbeständig und regnerisch. Der Wasserstand war und blieb hoch, was die Lachse eher dazu bewegt, ohne Pausen flussaufwärts zu schwimmen. Dementsprechend schlecht reagieren Sie auch auf die angebotenen Fliegen oder andere Köder. Rudi und Volker verwendeten ausschließlich große Fliegen, was sich als richtig herausstellen sollte: denn Volker bekam am Dienstag einen vehementen Biss auf eine große schwarze Fliege, die er tief in einen Pool führte. Der Lachs sprang mehrmals vollständig aus dem Wasser, sein Gewicht wurde von Rudi auf zwischen 12-15 Kilo geschätzt. Ja geschätzt, denn Volker verlor den Fisch nach rund 15 minütigen Drill durch Schnurbruch ! Er trug es mit Fassung. Als kleine Wiedergutmachung fing er am späten Nachmittag einen rd. 5,5 kilo schweren Lachs auf Fliege.

Angespornt durch diesen Drill stand ich am kommenden Mittwoch früh um 4 Uhr auf und begab mich ans Wasser. Die Regenwolken hatten sich verzogen und es versprach ein warmer und sonniger Tag zu werden. Bei der Fliegenwahl entschied ich mich für eine pinkfarbene Ken Sawada Marabou- Fliege und war beim Wässern begeistert, wie das Marabou im Wasser spielte. Das fand wohl auch ein Lachs, der bei einem meiner ersten Würfe die Fliege so hart attackierte, dass es mir fast die Rute aus der Hand riss. Er hing ! Harte Schläge durchfuhren meine Zweihänder, ich begab mich an das Ufer und stellte mich auf einen harten Drill ein. Der Lachs kämpfte verbissen und sprang nach ca. einer halben Minute des Drills in vollem Umfang aus dem Wasser. Und in diesem Moment, in welchem mir klar wurde einen sehr großen Lachs von weit über 10 Kilo gehakt zu haben, war der Drill auch schon zu Ende: im Sprung löste sich der Drilling und gab den Lachs frei. Ein lautes „Schei…“ entfuhr mir. So einen Lachs bekommt man nicht alle Tage an die Fliege…

Der Tag wurde wie vermutet sonnig. Sonne gilt nicht unbedingt als vorteilhaft, einen Lachs an den Haken zu bekommen. Davon unbeeindruckt begab ich mich nach einer ausgedehnten Mittagspause ans Wasser, meine Zweihänder war mit einer mittelgroßen Green Highlander- Variante bestückt. Wieder im oberen Bereich der Strecke nahm ein 4 Kilolachs bereitwillig die Fliege, den ich nach kurzen Drill schließlich landen konnte. Mein ersten Lachs in diesem Jahr, der Verlust vom frühem Morgen war – fast – vergessen.

Auch der Donnerstag wurde sonnig, wie der Tag davor. Morgens blieb meine Fliege ohne Beachtung. Ob des gestrigen Erfolges beschloss ich aber wiederum, mich am Nachmittag ans Wasser zu begeben. Wieder knüpfte ich meine Green Highlander- Variante an. Zunächst geschah nichts. Dann begann ich mit der Fliegenführung zu experimentieren, wie ich es bei Stefan Gericke gelernt habe: Rute nach Ablegen Stromabwärts menden, um die Fliege schneller zu fischen. Es geschah weiterhin nichts. Dann änderte ich folgendes Detail: sobald sich der Eintauchpunkt der Schnur an der Strömungskante befand, in welcher die Lachse bevorzugt stehen, legte ich die Rute wieder stromaufwärts. Die Schnur beschrieb dann unter Wasser einen Bogen, der durch die Strömung zum Schnurende hin wandert und den die Fliege letztlich mit einem „Swing“ abschließt. Genau bei diesem „Swing“ stieg schließlich ein Lachs ein. Nach einem verbissenen Drill musste sich schließlich der Lachs mit einem Gewicht von 5 Kilo geschlagen geben. 2 Lachse in 2 Tagen – super Schnitt für die Gaula, ich war mehr als glücklich. Aber es sollte noch „dicker“ kommen…

Am Freitag kämpfte ich früh um 4 Uhr mit mir im Bett, nachdem mein Wecker geklingelt hatte: soll ich nun aufstehen oder doch lieber liegen bleiben ? Schließlich hatte ich mein „Soll“ erfüllt und konnte die verbleibenden Fischertage ruhig angehen. Doch irgendetwas in mir zwang mich zum Aufstehen. Ich kroch in meine Funktions(unter)wäsche und begab mich um ca. 5 Uhr ans Wasser. Volker fischte bereits und war durch den oberen Streckenteil durchgegangen, so dass ich gleich über ihn einsteigen konnte. Wie die Tage zuvor benutzte ich einen schnell sinkenden Schusskopf mit gut einem Meter Vorfach in 0,45mm Stärke, meine Green Highlander- Variante befand sich noch angeknotet vornan. Da das Wasser über Nacht weiter gefallen war, bekam ich schließlich nach ein paar Würfen einen bösen Hänger, der so fest saß, dass ich beim Versuch diesen zu lösen gleich meinen gesamten Schusskopf abriss. Na super, wäre ich man lieber im Bett geblieben… ich trottete zu meiner anderen Zweihänder, einer etwas kürzeren 13,2 Fuss langen Loop greenline, die mit einem nicht so schnell sinkenden Schusskopf bestückt war. Aber welche Fliege sollte ich nehmen ? Meine so erfolgreiche Green Highlander- Variante befand sich im Fluss. Nach gründlichem Durchstöbern meines Sortimentes fiel meine Wahl auf eine hellgraue Tubenfliege mit silbernen Körper und blauer Fronthechel. Diese angeknotet begab ich mich wieder an die obere Strecke. Und als ob sich im oberen Streckenabschnitt ein „Lachsnest“ befindet, bekam ich dort wie die Tage zuvor wieder einen Biss. Keinen besonders harten, aber einen bestimmenden. Die Rute bog sich und ich schätzte meinen Gegenüber als „Mellom- Lax“ ein – um die 5 Kilo vielleicht. Mein „hau hau“ ließ Volker aus dem Wasser steigen und zu mir hochkommen. Mit der Ruhe von bereits 2 gefangenen Lachsen drückte ich Volker meine Digitalkamera in die Hand und bat ihn, meinen Drill zu filmen. So filmte Volker bereitwillig, als der Lachs plötzlich zu einen fulminanten Spurt ansetzte. Da wurde mir klar: ich hatte einen Großlachs gehackt ! Jetzt bloß keinen Fehler, auf den Fisch zwar bestimmten Druck ausüben, ihn aber gehen lassen, wenn er gehen will. Den Fisch möglichst seitlich bekommen, dann muss er am meisten arbeiten. So macht es Rudi. Und so versuchte ich es jetzt. Wieder ein beeindruckender, kraftvoller Spurt des Lachses stromab. Als er zu stehen kommt, gehe ich flussabwärts auf gleiche Höhe und übe jetzt seitlichen Druck aus. Der Lachs kämpft und rollt sich. Er zieht noch einmal machtvoll in die Flussmitte, aber er hat schon viel Kraft eingebüsst. Mein Druck zermürbt ihn mehr und mehr, bis er schließlich in Sichtweite kommt. Au Backe, was für ein Brocken. Volker ist ganz ungläubig, dass der Lachs nach relativ kurzem Drill schon in Ufernähe ist. Der Lachs schüttelt sich bereits im flachen Wasser und Volker eilt zu ihm hin und schiebt ihn auf Land. Moment, was ist da gerade passiert ? ich habe den Lachs wirklich nicht verloren ? Nein, er liegt vor meinen Füßen auf den Steinen und zappelt noch. Klar über 10 Kilo, aber wieviel darüber ? Nach amtlichen Wiegen stand fest: 14,2 Kilo, mein Salmon Of The Lifetime (so far). Was für ein Morgen. Und als Krönung den spannendsten Teil des Drills als Video festgehalten…

Nachdem ich meinen Erfolg mit einem morgendlichen Schluck Whisky begießen musste (Tradition ist Tradition), legt ich mich erst mal schlafen. Die frischen Eindrücke mussten verarbeitet werden. So um 12 Uhr stand ich erfrischt auf und beschloss noch ein paar Würfe zu riskieren. Ganz in Ruhe und mit der Sicherheit, einen der größten Fische der Strecke gefangen zu haben. Rudi war nach meiner Fangmeldung sofort ans Wasser geeilt und hatte bereits während ich noch pausierte zum wiederholten Male erfolglos die Strecke abgefischt. Ich stellte mich am Streckenbeginn wieder ein. Mein Schusskopf lag samt Fliege ein wenig im Wasser, während ich die Schnur, die ich werfen wollte, von der Rolle abzog. Als ich mit einem Rollwurf den Schusskopf verlängern wollte, spürte ich Widerstand. Mist, schon wieder ein Hänger durchfuhr es mich. Ich hob die Rute und wollte so den „Hänger“ lösen, als sich dieser plötzlich bewegte. Lachs ! Dieser war wohl so überrascht wie ich und konnte nicht mehr all seinen Kräfte freisetzen, was auch diesen Drill zu einer kurzen Angelegenheit werden ließ. Und so hing mein insgesamt 4ter Lachs kurze Zeit später am Galgen. Dieser maß ganze 4 Kilo, womit mein Angeltag um 13 Uhr beendet war – denn an der Gaula dürfen nicht mehr als 2 Lachse pro Tag gefangen werden. So was ist mir vorher noch nicht wiederfahren…

Am letzten Tag war kein Lachs mehr zum Anbiss zu überreden. Der Wasserstand der Gaula ist weiter gefallen, die Sonne schien und die Lachse gingen auf Tauchstation. Doch ich genoss noch jeden einzelnen Wurf und war glücklich, dass keiner der schönen Fische an diesem Tage mehr gefangen wurde.

Mein Lachsdrills befindet sich auf Vimeo:

Fischzubereitung für alle Fälle

Montag, November 29th, 2010

In Norwegen habe ich mal eine Fischzubereitung kennen gelernt, die eigentlich für das Lagerfeuer gedacht ist, jedoch auch ohne Abstriche im Backofen funktioniert. Diese Fischzubereitung ist sehr lecker, dabei einfach und ist mir bisher immer gelungen. Man benötigt:

Alufolie, eine Zitrone, Salz, Zucker, Pfeffer,100- 200g Butter, Kräuter nach Geschmack (z.B. Dill).

Und so geht’s: Alufolie ca. 20 cm länger als der Fisch ist, von der Rolle nehmen (bei Lagerfeuerzubereitung zur Sicherheit zwei Lagen Alufolie verwenden !). Zitronenhaut abschälen (bei ungespritzter Zitrone ist das Schälen nicht erforderlich) und Zitrone in Scheiben schneiden. Mit den Scheiben die Alufolie bedecken und die Oberseite der Scheiben mit Zucker abstreuen. Den Fisch trocknen, überall gut salzen, pfeffern und mit den Kräutern versetzen. Den Fisch auf die bestreuten Zitronenscheiben legen, so dass er die Alufolie möglichst nicht berührt. Butter in dünne Scheiben schneiden und in der Bauchhöhle und oben auf den Fisch legen. Überstehende Alufolie durch Hochklappen zur Wanne formen und oben verschließen. Zur Abrundung des Geschmackes kann vor dem Verschließen noch ein Schuss Weißwein zugegeben werden.

Das war’s schon. Der so in Alufolie verpackten Fisch muss dann bald gegart werden, denn das Salz und der Zucker beginnen ihm das Wasser zu entziehen.  Die Alupackung für ca. 15-30 Minuten auf die Glut des Lagerfeuers oder bei 200 Grad ca. 40-50 Minuten in den Backofen legen. Der Fisch gart dann in einer leckeren Zitronenbutter. Die Zitronenscheiben verhindert gleichzeitig, dass der Fisch bei zu starker Hitze anbrennt. Nach dem Garen Alufolie oben leicht öffnen, Fisch zerteilen und mit der Zitronenbutter servieren.

Anstelle der Zitrone können auch Scheiben von Orangen oder Kiwi (geschält) genommen werden. Das Abstreuen mit Zucker entfällt bei diesen eigensüßen Früchten.

Guten Appetit !

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